Schottland 2015 Tag 6

Ausschlafen ist heute angesagt. Wir bleiben ja heute am selben Ort, also lassen wir es etwas ruhiger angehen. Es gibt gar keinen großen Masterplan für den heutigen Tag und so hat Sarah gestern noch kurz mal unverbindlich geschaut was man in der Umgebung treiben kann.

Die Sonne lächelt einen morgens aus dem Fenster hier an und kaum richtet man sich auf, kann man schon direkt aus dem Fenster die Sonne im Loch Broom spiegeln sehen.

Es wird auch heute wieder ein schöner Tag, was zwar super ist, aber anderseits bedeutet, dass es so nicht den kompletten Urlaub weitergehen kann. Es wird sicher die nächsten Tage komplett regnen – soviel Glück haben wir dann nämlich auch nicht.

Heute gibt es ja wie schon erwähnt kein Frühstück im B&B, also fahren wir gleich morgens (naja gleich – 10 Uhr) zum Tesco in Ullapool und besorgen uns dort leckere Wraps im Meal Deal. Im Tesco ist der Meal Deal jedoch relativ wenig abwechslungsreich, da man gerade bei den Snacks nur ein paar Apfelstückchen oder Mars Snickers Kitkat oder sowas dazu bekommt. In anderen Läden ist da die Auswahl schon erheblich größer. Im Tesco treffen wir wie immer irgendwelche Deutsche an – man kann die Welt wohl bereisen und den ganzen Tag nur Deutsch reden.

Ich habe mir vor ein paar Tagen aus irgendeinem Grund am Fußnagel was weggeschnibbelt. Ich hatte schmerzen an einem Zehnagel und Doctor Dobro dachte sich, mit einem spitzen Gegenstand an der Wunden stelle werde ich das präzise reparieren. Lange rede, kurzer Sinn – ich habe einen schmerzenden, leicht eitrigen Zeh. Naja so bisschen eitrig… eher geschwollen blutig. Bisher habe ich da nicht viel desinfiziert, aber heute kann ich kaum auftreten ohne dass der Zeh zu schmerzen beginnt. Interessanterweise stoßt man ab dem Moment, an welchem man Zehprobleme hat, mindestens alle 2h selbst in den dicksten Stiefeln gegen irgendwelche Steine.

Im Tesco ist der Schmerz zu auffallend, also besorgen wir eine antiseptische Creme mit „numbing effect“ und heizen nochmal kurz in unser Zimmer. Auf dem Weg verlangt Sarah schon die erste Nahrungsaufnahme – ohne Frühstück ist die Frau einfach unausstehlich. Wir vernichten also kurz einen Wrap und gehen dann kurz den großen Zeh operieren. Ich packe das Teil aus (hatte wenigstens inzwischen einen kleinen Pflaster dran) und drücke auf die Wunde stelle um das Gammelblut abzulassen. Kleine Schmerztränen schießen mir in die Augen, aber laut Anleitung der Creme sollen wir die Stelle mit etwas warmen Wasser reinigen. Nach der qualvollen Reinigung drücken wir die Creme auf die Stelle und nutzen unsere tollen Fingerstrip Pflaster um den Zeh gut zu verpacken. Warum ich das hier eigentilch so ausführlich schreibe: Dieser Numbing Effect – also das betäuben des Zehs – funktioniert ab dem Moment wunderbar. Die packen wahrscheinlich Morphium in die Creme, denn ich kann gleich darauf wieder auftreten und habe nur noch im entferntesten Sinne Schmerzen.

Wir sind also bereit für den heutigen Tag, der eigentlich nur aus einer Fahrt in den Norden Schottlands besteht. Sarah hatte sogar das nördlichste Kap Schottlands rausgesucht (Cape Wrath – Punkt der Umkehr), aber wir schauen einfach mal wie weit wir heute kommen. Man kann sich hier auch gar nicht verfahren, da es nur eine Straße in den Norden gibt. Das Navi bleibt heute also aus, bis auf die Tatsache, dass wir die Karte im Display an lassen um auch den Kompass zu sehen.

Die Fahrt in den Norden erweist sich nach schon wenigen Kilometern als schöne Angelegenheit. Wir können entlang der Küste fahren und Sarah hatte erfahren, dass man anscheinend auch hier Delfine und Wale sehen könnte.

Die Küstenstraße führt immer wieder durch die Gebirge der Highlands, weshalb wir an sehr vielen Stellen einen sehr weitläufigen Überblick, der fast schon dem Big Bend National Park in Texas entspricht haben. Wir sind begeistert von der Aussicht und freuen uns schon auf die heutigen Stops.

Wenn man in Schottland einfach auf braune Schilder achtet, kommt man schon automatisch zu den jeweiligen Attraktionen. Unser erster Halt war das Folgen eines solchen Schildes: Das Knockan Crag. Wir haben keine Ahnung was das sein soll, aber wir können kostenfrei auf dem Parkplatz parken und laufen eine Steigung entlang des Berges zu einem Info Point hinauf. Der Info Point ist ziemlich schön angelegt und erklärt uns mit gebrochenem, aber gesprochenen Deutsch an einer Info Tafel, dass der Punkt hier enorme Wichtigkeit für Geologen hat. Die Steine des Berges an welchem wir uns befinden sind nämlich in der obersten Ebene älter als die darunter. Das ist irgendwie irritierend, da normal ja das jüngere Zeug auf dem älteren Zeug bei solchen Millionen Jahre alten Steinformationen üblich ist. Hier ist das umgekehrt, was dazu führt, dass dieser Punkt hier wohl ein großes Rätsel dargestellt hat. Irgendwelche klugen Köpfe haben dann rausgefunden wie das Zeug sich untereinander geschoben hat und wir erfreuen uns über die interaktiven Modelle, die das auch aufzeigen. Es verwirrt uns sehr, dass dieser Point hier kostenfrei ist – immerhin haben die sich hier ziemliche Mühe gegeben. Wir können an diesem Punkt hier eine kleine Wanderung nach oben am Berg entlang machen und wundern uns dabei wie so oft, dass es hier keinerlei Absicherung gibt. Der Point hier ist eindeutig auf Kinder ausgelegt, aber ein falscher Tritt und man fällt 15 Meter in die Tiefe. Die Schotten vertrauen wohl extrem auf Darwin, was einen krassen Kontrast zu den Vereinigten Staaten oder sogar zu uns darstellt.

Wir machen die kleine Wanderung und erfreuen uns vor allem an der schönen Aussicht hier oben. Auch Fotos werden wie wild geschossen, aber wie immer kann die Kamera irgendwie nicht das schöne Gefühl der Weitläufigkeit vermitteln.

Der nächste Stop führt mal wieder zu einem zerfallenen Castle an einem See – das sogenannte Ardweck Castle am Loch Assynth. Neben dem Castle befindet sich auch noch ein zerfallenes Haus, das sogenannte Calda House, in welchem irgendwelche MacKenzies lebten. Diesmal zahlen wir aber auch hier nichts und haben den Punkt mit gerade mal 3 Autos fast nur für uns. Am Punkte hier steht auch noch ein zweites Pärchen und Sarah sagt sofort „Das sind Deutsche. Ne eher Schweizer“. Woran die das sieht kann sie mir nicht erklären. Vielleicht liegt es an der Mammut Jacke, aber was an denen Schweizerisch aussehen soll kann ich mir nicht vorstellen.

Wir laufen etwas zu dem Castle und möchten eigentlich ein Foto ohne dem Paar vor dem Castle haben. Wir hoffen, dass die beiden gleich hinter dem Gebäude verschwinden, aber aus irgendeinem Grund mag das Paar sich nicht, weshalb beide immer nur ihre Plätze tauschen um sicherzugehen, dass sie sich so weit wie möglich voneinander befinden.

Wir stehen also dran und warten bis die zwei abhauen, während hinter uns das Schweizer Pärchen auftaucht. Höflich erkennen beide, dass wir hier ein Foto ohne den komischen Leuten haben wollen und warten dementspechend ebenfalls ab. Wir kommen ins Gespräch und schwenken sofort von Englisch auf Deutsch um. Die sind wirklich Schweizer, weshalb mich Sarah irgendwie beunruhigt. Die beiden machen den selben Trip wie wir, nur im Uhrzeigersinn. Die kommen also bereits von der Isle of Skye, während wir erst morgen da hin fahren werden. Wir holen uns ein paar Tipps ab und dürfen dann allein zu dem Castle hinwandern. Die beiden hauen nämlich wieder ab, da die noch wohl einen engen Zeitplan haben. Oder die hassen uns.

Wir sind froh vor dem Urlaub noch vernünftige Windjacken besorgt zu haben, denn der Wind ist echt stark in dem Part von Schottland. Ich klettere ein wenig auf dem Castle herum und werde fast durch die Fenster rausgeweht.

Wir biegen von der Straße nach Norden ab um eine Schleife an der Küste im Westen zu fahren. Unser erster Stop dort ist das Kaff „Lochinver“ was im Internet angepriesen worden ist, als Ort an welchem man an der Bucht Schweinswale sehen könnte. Das Örtchen besteht nur aus einer Straße, aber aus irgendeinem Grund wirkt hier alles nicht sehr einladend. Es befinden sich viele Touristen hier, obwohl es eigentlich nicht viel zu sehen gibt. Die Schweinswale verstecken sich am heutigen Tag wohl auch, also verschwinden wir nach nur kurzer Zeit wieder aus dem Dorf.

Wir fahren weiter an unserer Küstenstraße entlang und tauchen immer tiefer in die kleinen Straßen zu irgendwelchen Campingplätzen an irgendwelchen Stränden ab. Wir steigen an der Achmelvich Beach aus und suchen im Horizont immer wieder nach Delphinen und Walen, aber selbst wenn die Dinger auftauchen würden, wären es nur kleine Punkte in weiter Entfernung. Wir genießen dennoch die starken Winde am Strand und entdecken einen Gitarrenspieler, der in gegen den Lärm des Windes einsam am Strand für sich spielt. Es gibt hier trotz Campinggrounds in der Nähe nur sehr wenige Leute, was wie überall hier im Norden zu einer gewissen inneren Ruhe führt.

Die Fahrerei auf dieser Küstenstraße erweist sich als relativ anstrengend. Es ist kurvig und nicht wirklich an den Seiten gesichert. Man kann also nicht besonders schnell fahren und die Straße ist gerade mal ein Auto breit. Wenn also jemand kommt muss man mal wieder die Passing Points verwenden. Wenigstens fahren hier weniger Kamikazekrieger als gestern rum.

Wir fahren weiter unsere Küstenroute entlang und entdecken einen leicht versteckten Wanderweg. Nur ein verblasstes Schild weiter entfernt vom Straßenrand weist auf einen Weg hin, also drehen wir auf dieser engen Straße in nur vierzehn Zügen und parken auf einer Kiesfläche. Zwei weitere Autos befinden sich hier, aber von den Besitzern fehlt weit und breit jegliche Spur.

Wir laufen an einem kleinen Bach entlang, der immer sumpfiger wird. Von Tag zu Tag sind wir froh die guten Wanderstiefel gekauft zu haben. Ein größeres Matschloch zwingt uns sogar zu einem Sprung mit Anlauf, was zwar bei mir gut klappt, aber Sarah verkalkuliert sich beim Sprung. Sie knallt volle Möhre mit dem Schuh in den Matsch hinein, was das Hosenbein ziemlich versaut. Natürlich bin ich an der Misslage Schuld, also schmollt Sarah erst einmal ein paar Minuten am Weg entlang. Die Stimmung hellt sich jedoch sofort auf als wir am Bach entlang mit ein wenig Klettereinlagen in ein gefühlt unberührtes Stück Natur kommen. Unberührt ist eigentlich das falsche Wort, denn es gibt hier einen Weg, der mit einer Minibrücke aus Steinbrocken versehen ist, aber es wirkt so, als ob hier vielleicht mal drei oder vier Touris am Tag vorbeikommen. Wir sind glücklich diesen kleinen Insiderspot gefunden zu haben und wandern weiter als erwartet. Am Bach entlang finden wir ein halb zerfallenes Häuschen und als wir das Ding näher anschauen erfahren wir an einem Schild, dass das hier Reste einer Mühle sind. Die alten Bewohner haben hier am Bach das Wasser für die Bewegung von Steinplatten verwendet um lecker Mehl zu machen.

Wir laufen immer weiter am Bach entlang, der immer lauter und reißender wird. Es ist schon komisch, wie so ein laues Bächchen einige hundert Meter weiter ein protziger Fluss werden kann. Der Fluss fällt immer tiefer ab und wir können von oben betrachten, wie der Fluss mit kleinen Wasserfällen in das Meer mündet. Der Weg endet also an einem Strand und hier entdecken wir einen Kerl, der am Strand ein Nickerchen macht.

Ein wunderschöner Insidertipp dieser Ort, der anscheinend nicht einmal einen richtigen Namen hat. Hoffentlich bleibt das so, denn die wenigen Leute hier machen einen unglaublichen Charme aus. Wir hatten am Anfang nicht einmal eine Ahnung ob hier irgendwas wirklich sein wird, da der Weg manchmal nicht einmal richtig erkennbar war.

Die komplette Strecke wird immer wieder mal von kleinen Schafsherden besucht. Die Schafe grasen einfach am Straßenrand und interessieren sich nicht für die Autos. Die Viecher drücken sich automatisch mit dem Körper an die Seite, wenn ein Auto vorbeifährt. Kaum lässt man aber die Fensterscheibe hinunter, hauen die Tiere gleich ab. Menschen vertrauen die also weniger als den lauten, stinkenden Autos – schon beachtlich.
Sarah macht ein paar Fotos von draußen und verjagt manchmal ein paar Schafe, die von ihr schnell in Richtung unseres Autos hoppeln. Man muss beim Fahren einfach darauf achten kein Schaf zu zermanschen.

An der nächsten Beach verbringen wir etwas mehr Zeit, da hier mit Schildern von Walen und Delfinen geschwärmt wird. Auf dem Weg zur Clachtoll Beach wird man von schwarzen Schafen angeblökt, deren Scheiße das Feld zur Beach zu einem Minenfeld gemacht hat. Wir sehen regelmäßig Phantomwale, da wir Wellen nicht von Tieren unterscheiden können. Nach einem kleinen Spaziergang, immer mit Blick auf das Meer geben wir auf und fahren weiter Richtung Norden.

Der letzte Stop für heute wird der Leuchtturm Stoer. Wir fahren auch hier durch immer enger werdende Straßen um irgendwelche Klippen. Nach einiger Zeit überlegen wir, ob es überhaupt den Leuchturm noch gibt und ob die Straße gar die richtige sein kann. Wir nehmen aber irgendwann die Kurve um eine Klippe und sehen dann auf der Erhöhung den Turm. Wir parken oben dran und wandern ein wenig an der Klippe entlang – wieder einmal komplett alleine. Den Leuchturm selber kann man nicht besuchen, der Ort hier ermöglicht aber einen wunderbaren überblick über das Meer. Hier versuchen wir noch das letzte Mal unser Glück auf Walsuche, aber wir beobachten stattdessen wie die Vögel im senkrechten Sturzflug aus mehreren Metern Höhe kurz mal einen Fisch aufspießen. Der Weg um den Leuchtturm ist wieder mal mit Schafskacke ausgekleidet – die Schuhe müssen also trotz sorgfalt einiges an Tierhaufen ertragen.

Es ist bereits 17 Uhr und das Navi kündigt 1,5h Fahrt zurück an. Wir verhungern so langsam, also fahren wir noch zügig die Schleife um irgendwann wieder auf die zweispurige Straße in Richtung Ullapool zu kommen. Während der Fahrt tauchen noch mehrere Ortschaften auf (wobei mit Ortschaften ein Verbund aus zwei bis fünf Häusern gemeint ist), aber keine davon scheint Nahrung anzubieten.

Wir entscheiden uns an der Abzweigung zur Straße nach Ullapool für einen kleinen Umweg und besuchen noch das Dörfchen Kylesku. In Kylesku gibt es ein Restaurant, dass sich schon mit vielen Straßenschildern vorher ankündigt. Wir parken am Restaurant, dass sich nah am See befindet und erfahren noch von einer einheimischen, dass es ausgezeichnet sein soll. Im Restaurant bekommen wir glücklicherweise auch gleich einen Tisch und erfahren, dass es wie erwartet ein Restaurant mit Spezialisierung auf Fisch und Meeresfrüchte ist. Alles kommt vom See, den man vom Tisch aus wunderbar im Überblick hat. Das Restaurant ist ganz leicht gehobener, also passt Sarah mit ihrer Matschhose hier wunderbar rein. Wir erhalten ein kostenloses Wasser (yeah) und ich probiere das lokale Bier. Die Karte ist zwar auf englisch, aber wir kennen uns bei Fischzeug gar nicht aus. Die Kellner hier kreisen schon langsam wie die Geier um unseren Tisch, also fühlen wir uns gezwungen so langsam irgendwas zu bestellen. Aus irgendeinem Grund den wir nicht mehr nachvollziehen können bestelle ich eine komplette Krabbe – auch wenn ich keine Ahnung habe wie man so ein Ding isst und ich mich eigentlich von dem anklagenden Gesicht des hässlichen Meerestiers ziemlich ekle. Sarah bestellt Langusten, also irgendwelche große, hässliche Schrimps mit ebenso anklagenden Gesichtern.

Ich realisiere mein Schicksal eigentlich erst nachdem die Kellnerin uns das Werkzeug, welches eher wie Foltergeräte aussieht bringt. Die Vorfreude hält sich also in Grenzen. Wenigstens ist die Suppe als Vorspeise ganz gut – wir verhungern also schon mal nicht.

Als das Essen gebracht wird, sind wir erstaunt von der coolen Aufmachung von Sarahs essen. Die Langusten sind auf einem herabhängenden Spieß angebracht, wo man sie dann von unten abziehen kann.

Meine Krabbe ist wie erwartet so hässlich wie die Nacht finster. Die langen Beine lassen das Vieh wie eine Schabe aussehen und ich habe keine Ahnung wo ich das Werkzeug überhaupt ansetzen soll. Vor allem schockt mich aber zuerst der Kältegrad des Essens. Meine Krabbe ist eiskalt, was irgendwie auch abturnend ist. Ich hatte mir irgendwie was warmes gewünscht – Sarah wurde wenigstens gefragt ob sie es warm oder kalt essen müsste. Ich habe aber auch nicht den Mut mich zu beklagen, da man vermutlich die Krabbe wohl so isst.

Die Arme der Krabbe kann ich wenigstens mit dem Nussknacker aufmachen und das leckere Scherenfleisch rauspuhlen. Der Rest des Monsters ist schon schwieriger. Ich bin ziemlich hilflos und schaue flehend die Kellnerin an. Sie erklärt mir dann, dass man den Innenteil des Krabbe rausnehmen kann um an das leckere braune Fleisch zu kommen. Die Krabbe sieht aber so geöffnet wie ein Brainbug aus, was meinen Appetit nicht wirklich anregt. Ich frage die Kellnerin ob ich etwa das Gehirn der Krabbe rauslöffeln soll und die meint nur „This is the best part“.

Naja die Scheren und die Pommes zu dem Gericht sind wenigstens super. Schön in die Remoulade Dippen um nicht ganz hungrig hier rauszugehen. Ich puhle noch ein wenig in der Hirnmasse der Krabbe rum, aber ich kann mich zu nicht mehr als einer Probe überwinden. Die breiige Masse schmeckt irgendwie bitter, also gebe ich auf, bevor ich hier quer über die Tische würge. Ich musste es mal probieren, aber auf Nachfrage ob es denn geschmeckt hat, habe ich nur gemeint, dass ich zukünftig wieder bei Fish&Chips bleiben werde.

Sarah hat übrigens tapfer gekämpft mit ihrem Zeug. Ihr hats wohl ganz gut geschmeckt, auch wenn ihre Tiere nicht unbedingt Germanys Next Topmodel werden. Sie puhlte die Dinger heroisch mit den Fingern auf, was wohl morgen zu Blasen führen wird.

Gekostet hat uns das Essen heute 50 Pfund, bzw. 70 EUR. Fisch ist auch in Deutschland teuer, aber naja das Experiment reicht mir dann einmal und nie wieder. Krabben kommen mir nur noch in quadratischer Form auf den Tisch und auch Sarah wäre wohl ein Steak lieber gewesen.

Aber mal ehrlich – die müssen doch öfters Touris da haben, die das erste mal in der Hirnmasse eines Tieres rumlöffeln. Ein wenig Hilfestellung der Kellner hätte man ja erwarten können – die hatten hier irgendwie gar kein Bock kurz zwei drei Infos zu „wie isst man das Ding“ zu geben. Wir geben nur 3 Pfund Trinkgeld, da wir keinen 5er Schein mehr haben. Einen 10er ist der Service heute aber nicht wert, also lege ich drei 1 Pfund Münzen auf den Tisch und renne um mein Leben. Nicht einmal auf die Toilette habe ich Sarah erlaubt, so schnell hab ich sie rausgeschoben. Wir gehen dann auf die schönen versifften öffentlichen Klos am See – der Walk of Shame nach dem Versagen am Meerestier Restaurant.

Alles in allem war es ein wundervoller und eigentlich gar nicht so stressiger Tag. Wir haben uns gar keine Ziele heute gesetzt und es ist mehr dabei rausgekommen als erwartet. Laut Plan hätten wir eigentlich halb Schottland heute durchquert, aber der Loop allein hat in dem gemütlichen Tempo den Tag komplett ausgefüllt. Wir müssen hier nochmals hinkommen, es gibt noch so viel zu sehen – vor allem die verdammten Schweinswale. Wenn die beim nächsten Mal nicht auftauchen lasse ich die in Container einfliegen.

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