Island 2018 – Tag 4: Ein trauriger Abschied, eine lange Wanderung, ein glorreicher Wasserfall, eine ungewöhnliche Unterkunft und ein ultralangeweiliges Dorf

Der heutige Tag startet mit dem Abschied unserer Wohnung in Reykjavik. Wir fahren zum „höchsten“ Wasserfall Islands (Glymur), machen eine knapp 4-stündige Wanderung um dann über eine schöne Küstenroute zu unserer Unterkunft des heutigen Tages (das Fossatun Pod Village). Ein kurzer Abstecher nach Borganes enttäuscht nur, aber nach der Wanderung heute sind wir dann glücklich gegen 9 jetzt am Laptop die Bilder hochladen zu können.

Heute heißt es Abschied nehmen von unserer wunderschönen, charmant eingerichteten, kuscheligen Wohnung in Reykjavik. Wir haben hier sogar ein eigenes Bad mit Toilette, was in den anderen Unterkünften nicht üblich sein wird. Unter Tränen des Himmels (es regnet) sagen wir goodbye Hjördis‘ Apartement und machen uns viel zu spät (fast 11 Uhr) erstmals richtig auf unsere Reiseroute via der Ringstraße um Island herum.

Trotz Bedenken (lohnt es sich überhaupt? Davon steht in fast keinem Reiseführer viel) fahren wir rund eine Stunde zum Glymur Wasserfall.

Die Route dahin führt entlang eines schönen Fjords, welches stark an Serien wie Vikings oder auch manchmal ein wenig an Game of Thrones erinnert. Bei den Gedanken schauen wir parallel nach Film-Locations und sehen, dass einige Game of Thrones Folgen hier in Island gedreht worden sind (aber auch Vikings, Das Leben des Walter Mitty, Star Wars 7, Oblivion und viel mehr. Mal sehen was wir so im Laufe des Trips entdecken werden).

Der Glymur Wasserfall war bis 2007 der höchste Wasserfall Islands, bis irgendjemand einen noch etwas größeren im Landesinneren entdeckt hatte (kann man auch mal übersehen so ein Ding). Die Fahrt zum Parkplatz ist schon wegen dem ganzen Kies abenteuerlich (und auch schon 15 Minuten lang), aber die Wanderung zum Wasserfall ist mit 2 Stunden pro Richtung doch schon ein Brocken für uns. Unbeschadet können wir das Auto (wenigstens kostenfrei) stehen lassen und machen uns (mit ausreichend Proviant und zu viel Wasser) auf den Weg.

Der Wasserfall kann von zwei Seiten bewandert werden. (Norden und Süden). Die Südseite gilt als viel interessanter, da besserer Ausblick auf den Wasserfall, aber auch als herausfordernder. Man kann die Route auch als Kreis laufen (also von einer Seite starten und an der anderen Enden), aber dazu muss man den Fluss zum Wasserfall knietief überqueren.

Gleich zu Beginn stellt sich der Wanderweg schon anders als gewohnt dar: Es gibt keinen ordentlichen Weg, sondern nur Steine über die man öfters mal drübersteigen muss. Nichts für Leute mit wabbeligen Füßen, die gerne mal umknicken… glücklicherweise hat Sarah heute ihre guten Renegades an, die den Knöchel stützen.

Wir hatten entschieden nicht den Zirkel zu laufen, da man dann doch schon ein zweites Paar Schuhe dabei haben sollte. Der Weg zum Wasserfall hat ein paar Hot-Spots, wie z.B. eine Höhle und auch einen Baumstamm den man überqueren muss.

Wir brauchen auffallend lange um zum ersten Spot zu kommen. Während manche Wanderer uns in einem enormen Tempo überholen (bis zur Höhle gilt der Weg dahin als quasi der Weg zum Parkplatz) brauchen wir rund 30 Minuten bis wir endlich an der Höhle angelangt sind. Wir lassen uns Zeit und machen auch viel zu viele Fotos, aber was soll der Stress – wir sind im Urlaub. Da es hier ja gar nicht dunkel wird und da die Attraktionen meistens in der Natur ohne Öffnungszeiten sind, sind wir hier nicht so an die Uhrzeit gebunden wie in anderen Trips.

Wir sind erstaunt darüber wie wenig gesichert die Wege zur Höhle (und auch später) sind. Ich laufe zu Sarahs Ärgernis auch noch auf eine Klippe um ein paar Fotos zu schießen – das alles ist für deutsche Verhältnisse aber eindeutig nicht vom TÜV abgenommen.

Wir durchqueren die Höhle und sind auch meistens ziemlich allein. Das „überfüllte Island“ können wir hier nicht wirklich entdecken. Nach der Höhle läuft man den Fluss entlang zur Überquerung des Baumstamms.

Sarah schluckt schon schwer – ein Baumstamm wurde ihr versprochen und nicht einfach ein Metallseil, welches man direkt im Wasser durchlaufen muss um auf einem kleinen Ästchen auf der Hälfte der Überquerung zu balancieren.

Wir warten ein wenig ab und schauen zu wie die anderen Touristen ihre Schuhe ausziehen um den Weg Barfuss zu überqueren. Es scheint zu klappen – zumindest müssen wir niemanden heroisch retten (bzw. beim ertrinken zuschauen).

Wir überlegen kurz und zurren unsere wundervollen neuen Wanderhosen an die guten hohen Stiefel fest. Wir werden die Überquerung in Schuhen machen, für was haben wir so gutes Schuhwerk organisiert.

Ich gehe zuerst auf elegantem Fuße über den Fluss. Die Füße bleiben auch trocken. Die Schuhe und die Hose haben die größten Wassermassen draußen gehalten. Leicht nass ist es zwar am Knöchel, aber das trocknet binnen weniger Minuten komplett.

Sarah hingegen hat ein wenig Probleme mit dem Wasser. Es läuft von oben etwas hinein, aber auch hier nicht so stark, dass man die Schuhe wechseln müsste.

Bei meiner Überquerung macht ein Kanadier ohne Absprache paar Fotos von mir. Er hatte wohl auf ein Fail Video gehofft, aber dafür tänzelte ich einfach zu elegant.

Es war aber eher nett gemeint, er hatte ein paar Fotos gemacht um diese uns dann zukommen zu lassen. Wir wechseln ein paar nette Worte, ich gebe ihm meine Mail Adresse und wir beklagen uns gemeinsam wie alle Touristen über die Kosten von Island und vor allem vom Bier. Die beiden sind jedoch eher Powerwalker, die kurz mal den Hügel hochmarschieren, also verabschieden wir uns auch schnell, blinzeln zweimal und schon sind die Beiden verschwunden.

Der restliche Weg zum Wasserfall ist dann doch schon eine Odysee eines anderen Kalibers. Man klettert regelrecht steile Felshänge hinauf. Oftmals kann man Seile nutzen, an welchen man sich mit voller Kraft hochziehen muss um die Hürde zu überwinden.

Sarah jammert alle paar Meter über den Gedanken den ganzen Kram wieder heruntersteigen zu müssen. Ich schlage zwar vor doch den Kringel zu machen, aber auch das gefällt ihr nicht. Gut, sie hat ein paar Probleme mit dem Knie, was gerade das hinablaufen qualvoll macht. Ich kann mich noch beim letzten Österreich Trip daran erinnern wie ich wimmernd jede Treppe im Kreuzband gespürt habe.

Wir schaffen es dann doch, schwer schnaufend, oben an den diversen Aussichtspunkten zu gelangen. Viele viele Fotos werden gemacht und es wird auch an einer Klippe der Proviant vernichtet.

Leider meldet sich dabei auch so langsam der isländische Wettergott, also dürfen wir den besten Punkt nur im Nieselregen begutachten. Die Aussicht hier ist dennoch wundervoll. Vor allem die Möven an den moosbewachsenen Felsen, welche immer wieder ein paar Runden drehen, lassen die Szene wie etwas aus Jurrasic Park wirken.

Wir können die Szenerie sogar ein paar Minuten komplett allein genießen, bis ein paar Touristen sich dazu gesellen. Ein paar tausend Fotos später sind wir auch schon wieder beim Abstieg, welcher sich als erheblich einfacher und bequemer erweist, als Sarah in ihrem Kopf als Horrorstory schon ausgemalt hatte. Auch die Baumstammüberquerung erweist sich beim zweiten Mal als einfache Sache. Die Neulinge auf der gegenüberliegenden Seite schauen verängstigt auf uns Veteranen, die kurz mal rübertänzeln.

Schon wieder auf dem Weg zum Parkplatz meldet sich die Sonne hinter den Wolken. Warum das Miststück nicht beim Wasserfall auf die Idee kam, wissen wir nicht, aber so hatten wir wenigstens eine wunderschöne Aussicht auf das ganze Tal.

Um knapp 17 Uhr sind wir wieder am Auto und müssen Schuhe und Socken ausziehen um diese trocknen zu lassen (nicht vom Regen, aber von den Überquerungen).

Die restliche Fahrstrecke zu unserer Unterkunft in Borganes fahren wir die schöne Route an der Küste entlang. Atemberaubende Berge erstrahlen die meiste Strecke in der Sonne.

Wir entscheiden uns direkt zur Unterkunft zu fahren um dann erst später noch Borganes und dessen Museum zu besuchen.

Unsere Unterkunft heute haben wir im Fossatun Pod Village. Kleine Hütten mit Bett und Tisch (Strom + Heizung auch) ermögliche ein etwas komfortableres Campen. Die Hütten erstrahlen charmant und duften auch noch nach Holz. Enttäuschend sind dagegen die Toiletten (1 Toilette für alle Männer hier?!) und die Gruppenduschen. Aus Australien waren wir ein viel besseres Niveau gewöhnt. Es gibt Hot Tubs mit dem heißen Quellwasser von hier, ein kleiner Trail im Vulkangestein (mit Trollgeschichten verfeinert) und  Wasserfälle am Grundstück, welche eine gewisse Idylle erzeugen können.

Wir checken ein und sind schockiert über die Tatsache, das man von uns 3000 Kronen (fast 30 EUR) für die Bettwäsche zusätzlich möchte. Die Pods sind als eine Art Camping Ersatz gedacht, weshalb man im Schlafsack schlafen kann. Wir haben aber nicht extra dafür etwas mitgenommen, also akzeptieren wir sichtlich erschüttert den hohen Preis.

Am Pod angekommen sind wir aber positiv erstaunt: Das Bett ist bereits mit einem Laken überzogen und auch vier Kissen stehen zur Verfügung. Ich renne schnell zur Rezeption zurück und bitte um eine Stornierung der Bettwäsche. Die Frau an der Rezeption zahlt das Geld ohne zu murren zurück. Sehr nett.

Wir werden uns heute Nacht mit unseren wundervollen Mikrofaser Handtüchern (extra leicht – extra für Island angeschafft) zudecken. Das muss reichen – wenn man 30 EUR dafür sparen kann, hätte ich mich auch mit Moos bedeckt.

Hier im Pod Village schauen wir uns auch ein wenig die Toiletten und Duschen an (sehr enttäuschend – das Männerklo ist nichtmal richtig sauber) und gehen dann in die Küche um Sarahs glorreiches Essen zu futtern.

Wir waren gestern besonders schlau: Hackfleisch und Bolgnese Soße wurde gekauft, dazu Nudeln. Da wir gestern Essen waren, hat Sarah gestern Abend das alles fertig gemacht, die gekochten Nudeln in Zip-Loc Tüten eingepackt und die Hackfleischsoße in eine Tupperdose und ein Einmachglas umgefüllt. Hier in Island haben wir konstant 9-10 Grad, also hoffen wir, dass diese Kühle ausreichen wird.

Heute haben wir die Nudeln und ein Teil der Soße einfach in eine zweite Zip-Loc Tüte gefüllt, ein wenig geschüttelt und das ganze Ding (2 cm geöffnet) in die Mikrowelle geworfen. Laut Anleitung auf der Tüte ist diese nämlich auch Mikrowellen geeignet. In wenigen Minuten hatten wir damit unser Abendessen fertig – auch hier mal kurz einen Haufen Geld im Vergleich zum Essen gehen gespart.

Ein anderes Deutsches Paar hatte uns sehr angewiedert bzgl. unserer Kochmethode in der Gemeinschaftsküche angestarrt. Aber naja während wir schon am futtern waren, haben die beiden ihre eigenen Nudeln aufgekocht und eine fertige Sauce reingekippt. Die sind nur neidisch auf unsere deutschere Effektivität.

Final fahren wir noch kurz in die Stadt (eher Dorf) Borganes. Ein hässlicher Haufen Häuser, ein langweiliger Zugang zum Meer und ein einziger Laden der geöffnet hat. Wir kaufen noch paar Notwendigkeiten ein und finalisieren den heutigen Tag.

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