Island 2018 – Tag 12: Sarah bekommt heute ihr heißes Bad in der Natur

An einem regnerischen letzten Tag in Island machen wir einen schnellen Ausflug zu einem 360 Grad Wasserfall (also einer hinter dem man latschen kann).

Das eigentliche Ziel ist heute aber eine 1-stündige Wanderung (in einer Richtung) zum Reykjadalur Valley. Hier wird uns am Ende ein heißer Fluss erwarten, in welchem wir auch baden gehen.

Die größte Herausforderung wird die Wanderung im Regen sein und dann auch das Umziehen für den Rückweg.

Am Abend essen wir dann noch leckere Sandwiches und verbringen wenige entspannte Stunden auf einer alten NATO Basis – im Hostel „The Base“.

Der Tag wird ätzend nass. Der Wetterdienst sagt strömenden Regen voraus, also können wir auch beruhigt ausschlafen.

Wir stehen gegen 10 Uhr auf – Sarahs optimistischer Wecker auf 9 war mal wieder wertlos.

Für heute steht etwas besonderes an. Da das Wetter ohnehin ätzend sein wird, haben wir entschieden im Pisswetter die 1-stündige Wanderung (eine Richtung) hin zu einem heißen Fluss zu machen. Wir möchten dort auch baden (Sarah ist sich am Morgen noch etwas unschlüssig, aber wie so oft braucht sie nur einen kleinen Schubser), was das Einpacken etwas kompliziert macht.

Gestern haben wir noch optimistisch alles aus dem Auto gepackt um sich heute fast für den Flug fertigzumachen. In der Realität können wir im Moment noch gar nichts richtig einpacken, da wir für die nasse Wanderung+das Baden richtig umdisponieren müssen. Die Rucksäcke müssen anders gepackt werden, wir brauchen mehrere Hosen, müssen uns überlegen wohin mit den nassen Sachen und was machen wir, wenn es in strömen regnet, während wir uns nach dem Baden umziehen müssen.

Wir gönnen uns also noch eine Dusche in unserer glorreichen Hütte (schön ebenerdig, guter Wasserdruck, hach einfach eine tolle Hütte) und sind viel zu spät fertig. Checkout ist wie so oft eigentlich um 11 Uhr, also sorgen wir dafür, dass alle Koffer noch kurz vor 11 im Auto sind. Wir sind aber jetzt noch nicht fertig – Frühstück steht ja auch noch an. Mein Verdacht war aber richtig: die polnischen Putzfrauen werden nicht Punkt 11 auf der Matte stehen – die deutsche Pünktlichkeit ist hier nicht so relevant. Wir frühstücken also noch gemütlich mit Blick auf den grauen Horizont und machen uns erst gegen halb 12 auf den Weg.

Einen kleinen Zwischenstop möchten wir aber noch machen. Auf dem Weg befindet sich noch ein interessanter Wasserfall. Hier auf dem Parkplatz zahlen wir arschteure 700 Kronen (6 EUR) für eine Fläche auf dem Kies. Wie immer in Island wird natürlich ohne Bargeld bezahlt – ohne Kreditkarte ist man hier komplett aufgeschmissen.

Man sieht den Wasserfall schon gut von der Straße. Ein relativ hohes Fällchen (okay in Deutschland wären wir begeisterter gewesen, aber nach 2 Wochen hat man hier schon echt seine Dosis an Wasserfällen voll), aber das schöne an dem Ding ist die Tatsache, dass man ihn komplett umlaufen kann. So kann man auch mal hinter den Wasserfall gehen, auch wenn ich mir das etwas… höhliger? vorgestellt habe. Das Wetter ist natürlich wie schon erwartet viel zu schlecht um das Ganze zu genießen.

Wir werden aber nicht direkt vom Wetter durchnässt, sondern nur vom Wind, der die Wassertropfen des Wasserfalls auf unserer Kleidung niederregnen lässt. Die kompakte Kamera müssen wir dann irgendwann auch wegstecken, da die Wassertropfen sich in jede Ritze verirren. Eine Kamera haben wir in dem Urlaub schon verloren, die zweite verkraften wir nicht.

Bei der Wanderung sind wir etwas erstaunt, dass der Wasserfall nach ein paar Metern schon ein reiner Weg über rutschige Steine darstellt. Das hier ist eine größere Attraktion in der Umgebung, mit bezahltem Parkplatz und dann haben die nicht einmal richtige Wege um den Wasserfall herum. Sonst gibt es hier gar nichts, also hätte man da schon wenigstens die Steine zur Seite räumen können (oder sogar einen richtigen, asphaltierten Weg machen).

Auch der Aufstieg von einer Seite zur anderen stellt sich eher als Kletterpartie dar. Echt ungewöhnlich wie urig so eine Hauptattraktion hier gelassen wird.

Eine ältere Frau scheint richtig Probleme beim Aufstieg zu haben – ist aber mehr darüber besorgt, dass sie uns zu langsam wäre. Wir sprechen ihr gut zu und sie klettert in ihrem eigenen Tempo den Weg hinauf. Uns ist das auch recht – aufgrund des Wetters (aber vielleicht auch nicht, man kann sich gut vorstellen, dass es hier immer so nass sein würde) sind die Steine nämlich ziemlich glitschig.

Sooo toll war das rumlaufen um so einen Wasserfall jetzt auch nicht. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an den Erwartungen oder auch an der besagten Dosis Wasserfälle in den letzten Wochen. Wir kehren zurück zum Parkplatz, entscheiden uns auch gegen einen arschteuren Kaffee in der ansässigen, relativ großen, Imbissbude und machen uns auf den Weg zu unserem eigentlichen Tagesziel.

Achja beim Rausfahren aus dem Parkplatz geben wir jemandem unser Ticket weiter. Diese 700 Kronen war das Parken hier echt nicht wert. Laut Sarah habe ich das Ticket sehr unfreundlich weitergegeben („TAKE THE TICKET“), aber was solls – der Typ war glücklich Geld zu sparen. Und auch erstaunt, dass man es weitergibt. Macht hier sonst keiner. Vielleicht sind echt nur wir so assi.

Auf dem Weg zur nächsten Station machen wir noch einen schnellen Abstecher zu einem Kronan. Der Billig-Supermarkt „Bonus“ macht uns schon seit langem nicht mehr an, weshalb ein Abstecher in die anderen Märkte immer interessant ist. Kronan wirkt eher wie ein REWE, mit allen notwendigen Schweinerein die man so braucht. Sarah gönnt sich hier einen einigermaßen günstigen Kaffee und ich probiere den Energy Drink „BURN“ aus. Schinken wird auch noch besorgt (Skinka genannt und so riecht es auch) um noch ein bisschen Proviant für die Wanderung zu haben.

Rund eine Stunde später erreichen wir den Parkplatz zu unserem richtigen Tagesziel: Dem Reykjadalur Valley. Natürlich nicht, ohne sich vorher mal wieder zu verfahren. Wir sind nicht geeignet ohne Navi zu fahren.

Das Ding war mal, zumindest laut einem Reiseführer, ein Geheimtipp. Am Parkplatz sieht man aber bereits, dass das Internet und sonstige Top 10 Listen hier den heißen Fluss doch an eine hohe Position der Touri-Ziele katapultiert hat.

Wir stellen uns im strömenden Regen auf den Parkplatz und gehen nochmals tief in uns. Sarah ist nicht so begeistert von der Tatsache, dass wir hier im Pisswetter eine Stunde wandern sollen. Wenn wir aber auf vergangene Abenteuer zurückschauen, haben die besten davon meistens mit der Überlegung „machen wirs oder machen wirs nicht?“ begonnen.

Das Wetter erlaubt heute ohnehin nicht für viel anderes, also was solls – wir entscheiden uns, es durchzuziehen.

Ich bin froh darüber, noch kurz vor dem Urlaub eine Regenhose gefunden zu haben. Diese ziehe ich drüber, meine zwei Jacken + die Fleece Jacke und darunter auch noch ein Tshirt und ein Langarmshirt. Meine Mütze musste ich an Sarah opfern – ihr Dutt passt nicht unter ihre eigene.

Sarah hat leider keine Regenhose, also zieht sie zwei Wanderhosen übereinander – in der Hoffnung etwas den Regen zurückhalten zu können.

Ich ziehe Sarahs Mütze an und los geht die Wanderung. Auf dem Weg fragen wir ein paar Leute ob es sich lohnt, was die bejahen – uns jedoch auch auf den Dreck im Wasser hinweisen. Tja so ein Fluss zieht halt auch etwas Algen und Co. mit sich – nicht sehr lecker, aber was solls.

Der Aufstieg ist schon ein ordentlicher Kraftakt. Man bezwingt einen steilen Hügel und betet, dass der Regen einen nicht abrutschen lässt.

Während wir gerade so nach oben ächzen, treffen wir einen Deutschen, der seinen Sohn auf den Schultern nach oben schleppt. Der Typ sieht nicht besonders muskulös aus, aber ich muss schon sagen: Respekt.

Der Typ hat auch nur eine Jeans an, was ihn irgendwie unvorbereitet wirken lässt. Er meint noch, er hat eine zweite Jeans im Gepäck, aber das wird bei dem Wetter wohl nur kurz halten. Meine Regenhose hält wunderbar alles zurück, doch Sarah hat leider schon nach 20 Minuten eine durchnässte Hose. Der Sabber läuft dann auch noch schön am Hosenbein in den Schuh.

Ich merke das Problem nur an meinen Händen, da der Regen die Ärmel entlang läuft und beide meiner Jacken schön saftig mit Wasser vollsaugt.

Wir geben jedoch nicht auf. Wir waten über die Hügel, vorbei an starken Winden und mit nur wenigen Metern Sicht. Irgendwann kommen wir jedoch endlich an ein Schild, dass uns den Fluss in 700 Metern ankündigt. Der Weg dahin ist dann auch endlich mal etwas interessanter. Bisher war es nur Nebel und der Wanderweg. Von der schönen Aussicht, die es hier anscheinend im Sommer gibt, haben wir an dem Tag leider nicht. Der Weg zum Fluss jedoch ist immer wieder gesät mit kleinen Quellen, in welchen 100 Grad heißes Wasser vor sich hinblubbelt. Es stinkt weniger als erwartet, der Schwefelgeruch scheint sich mit dem Wind schön zu verteilen.

Wir kommen an dem Fluss nach rund 1,5 Stunden Wanderung an. Wie immer brauchen wir etwas länger, als in den Reiseführern angegeben. Wir hoffen aber, dass der Weg zurück etwas entspannter wird.

Den Fluss haben wir die ersten Meter für uns allein. Planken wurden hier hingebaut, da die Menschen das Flussufer im Laufe der Jahre doch stark beansprucht haben. Dafür wurden auch auf den Planken ein paar Umkleide-Stellen gebaut. Einfache Abtrennungen, hinter welchen man sich von einer Seite geschützt umziehen kann. Viel Privatphäre bietet das hier nicht, man darf also nicht zu schüchtern sein. Trotzdem sind diese kleinen Abtrennungskreuze wenigstens ein guter Windschutz.

Wir wundern uns jedoch über die fehlenden Menschen. Irgendwie glauben wir nicht daran, dass gar niemand in den Fluss hinein möchte.

Wir laufen also die Planken bis fast zum Schluss und sehen immer mehr Leute. Am Ende der Planken ist auch der Umkleidebereich randvoll mit Rucksäcken und Jacken. Hier sammeln sich die ganzen Leute, da das Wasser Flussaufwärts wärmer ist.

Wir ziehen uns viel zu lange um – es ist gar nicht so einfach alles irgendwie trocken zu lassen (also nichts auf den Boden zu stellen) und gleichzeitig den nassen Kram irgendwie so zu verpacken, dass nicht der ganze Rucksack gleich versifft.

Nach einer endlos langen Odysee des Einpackens von Kram in unsere Zip-Loc Beutel (diese Dinger waren die beste Anschaffung in diesem Urlaub), sind wir dann bereit für unseren Fluss. In der Zeit kamen aber noch einige Leute rein, also ist das Ganze nicht so idyllisch, wie man es vielleicht aus Fotos vermuten würde. Wir laufen etwas flussabwärts, jedoch merken wir schnell, warum die Leute hier nicht bleiben wollen. Das Wasser wird dann doch rapide kälter. Es ist zwar immer noch warm, aber das fast 40 Grad heiße Wasser weiter oben macht uns ebenfalls viel mehr an.

Ich setze mich bei einem einsamen Typen in die Nähe und wundere mich, warum sich hier niemand anderes dazugesellt. Es stellt sich heraus, dass seine kleine Lagune voll mit Dreck und Algen ist, was mein erstes Erlebnis mit dem Wasser doch stark beeinträchtigt.

Nach dem ersten Schock gehen wir dann doch zu den Menschen“massen“. Massen ist hier auch eher das falsche Wort – es sind vielleicht noch 15 andere Leute hier in dem Fluss. Man sitzt also nicht gerade aufeinander. Irgendwann finden wir dann auch den perfekten Spot und genießen endlich in Entspannung das warme Wasser des Flusses.

Nach einigen Minuten wird auch ein ganzer Bereich für uns frei, wo wir dann auch unsere Köpfe auf Steine legen können um besser mit geschlossenen Augen im Wasser liegen zu können.

Wir verbringen hier rund eine Stunde. Die Odysee zum Fluss hat sich wirklich gelohnt – so entspannt und dann doch ziemlich idylisch hatten wir es noch nie. Das schlechte Wetter hilft hier sicher auch – es ist jetzt schon einiges los an diesem Fluss, wer weiß wie das bei gutem Wetter aussieht.

Sarahs Handy haben wir auch in der Zip Loc dabei. Während andere krampfhaft versuchen keine Wassertropfen auf dem eigenen Gerät landen zu lassen, packen wir das Handy einfach wieder in den Beutel und legen es zur Seite. Das isländische Gefühl von Sicherheit und auch ein wenig die Anonymität im Nebel bieten heute doch ein starkes Gefühl von Ruhe und Entspannung.

Der Regen lässt auch immer weiter nach, sodass wir beim Umziehen nicht allzuviel Stress haben. Neben uns macht sich eine ältere Dame nackig und entschuldigt sich bei mir dafür. Ich sehe mit meinen fast 6 Dioptrin eh kaum was, also kann ich ihr quasi-Privatsphäre bieten.

Mit ein wenig Handtuch-Fu können wir uns auch wunderbar umziehen. Der Regen lässt sogar kurz komplett nach, nur der Wind kühlt ein bisschen ab. Irgendwann nach ebenfalls wieder viel zu langer Zeit können wir uns auf den Weg machen. Ein paar der nassen Klamotten müssen wir wieder anziehen, aber Sarah hat wenigstens noch eine weitere trockene Hose dabei. Ihre Schuhe haben leider ein wenig Nässe abbekommen – die trockenen Socken sind also nach ein paar Minuten wieder ziemlich nass.

Der Weg zurück ist wie immer viel zügiger. Nur der Wind, der stark gegen uns bläst, hindert einen ein bisschen am Vorankommen. Das Positive dabei: Es ist manchmal ein bisschen wie ein Dyson Airblade – also wird Sarahs Hose ein klein wenig trockener als zuvor.

Nach nur 45 Minuten erreichen wir dann so langsam den Parkplatz. Noch kurz vor Schluss treten wir wunderbar in den Matsch und müssen am letzten Ende unsere Schuhe ein wenig im Fluss saubermachen.

Im Auto angekommen sind wir glücklich darüber, es bis zum Schluss durchgezogen zu haben. Der Ausflug war eine richtig tolle Sache und auch der Regen dazu hat es ein wenig exotischer gemacht. Man kann ja alles irgendwie positiv sehen. Mit richtiger Kleidung ist es auch tatsächlich nur halb so tragisch. Zukünftig braucht Sarah noch eine Regenhose und wir vielleicht noch zwei Ponchos. Andererseits: Wenn es die Belohnung des warmen Flusses nicht gegeben hätte, wären wir wohl auch nicht so glücklich über den Ausflug gewesen.

Es ist jetzt kurz nach 6, also machen wir uns jetzt auf nach Keflavik – nur wenige Kilometer neben dem Flughafen, auf dem alten NATO Gelände, haben wir heute ein billig-Hostel gebucht. Wir hatten noch lange Zeit überlegt es zu stornieren (kostet auch 80 EUR), aber jetzt sind wir unglaublich froh darüber einen Schlafplatz zu haben. Wir müssen morgen früh zwar um 3 Uhr raus, aber auch nur wenige Stunden Entspannung und ein Bereich um seine Koffer richtig zu packen ist, das Geld wert.

In Keflavik angekommen suchen wir uns noch das billigste-gute Restaurant heraus. Wie immer ist das irgendetwas amerikanisches, also auch hier ein Burger/Sandwich Laden. Der Laden heißt „Olsen Olsen“ und alle wichtigen Gerichte heißen hier irgendwas mit Olsen (Bacon Olsen, Olsen Cheeseburger usw.).

Wir entscheiden uns aber gegen die Burger und für die „Haggis“, was nichts anderes als Subway-ähnliche Sandwiches bedeutet. Sarah gönnt sich etwas mit Fisch, während ich mit dem Typen an dem Schalter spreche und frage, was so beliebt ist. Er hatte uns zu Beginn eine englische Karte gegeben, aber nach dem Rückfragen empfahl er mir ein Sandwich, welches nicht auf der englischen Karte steht. Es ist ein Pulled-Pork, BBQ Bacon Sandwich, welches auch noch die lokale secret sauce hat. Ich bin sofort überzeugt und ja es war glorreich. Dazu noch Süßkartoffeln (halbe Portion reichte für uns beide – wir haben sogar etwas übriglassen müssen).

Teuer war es aber natürlich wie immer in Island. 4300 Kronen, was rund 35 EUR ausmacht. Das Essen war aber gut und reichlich, also ist das Geld wenigstens gut angelegt. Weiterhin gibt es wie überall in isländischen Restaurants, das gute isländische Bergwasser kostenfrei dazu.

Das Auto muss auch noch für die Abgabe vorbereitet werden. Es ist schon nach 8, also tanken wir schnell noch das Auto voll (morgen früh geben wir es ein paar Kilometer von hier entfernt ab) und erfragen, wo man hier das Auto absaugen könnte.

Der freundliche Angestellte verweist uns hinter das Haus, wo wir einen kostenfreien Staubsauger finden (ein großes Gerät) und auch noch Besen mit Wasserzufuhr. Ebenfalls kostenlos können wir also das Auto ein wenig abwaschen, da wir es die letzten Tage schon übel über irgendwelche Schotterpisten gejagt haben.

Es ist aber auch in Island irgendwie unmöglich nicht auf Schotterpisten zu fahren. Alle Attraktionen, aber auch Teile der Ringstraße haben mindestens Baustellen oder gar ganze Abschnitte, die auf Schotter gefahren werden müssen.  Allein die  Hinfahrt zum Dettifoss war schon eine Odysee für sich. Ein Auto kann man hier wohl nur in Reykjavik nur auf Asphalt fahren lassen. Selbst da gibt es aber hier und da ein paar Baustellen, die ebenfalls mit dem schwarzen Schotter befüllt sind.

Unsere Grundreinigung des Autos wird auch mit ein paar feuchten Tüchern abgerundet um den ganzen Dreck von innen loszuwerden. Weiterhin waschen wir auch noch die Fußmatte komplett aus, da diese inzwischen nur noch einen Matschhaufen darstellt.

Natürlich passiert die Aktion auch in Regen, wodurch die Autotür richtig übel von innen durchnässt wird (müssen wir zum Saugen ja offen lassen). Wir trocknen alles mit Tempos ab und beten, dass die Elektronik nichts abbekommen hat. Es sieht alles gut aus, also werden wir das Auto so sauber wie noch nie bei einem Mietwagen abgeben.

Wir kommen dann am Abend gegen 9 endlich in „The Base“ an. Der ganze Laden sieht schon ultra uneinladen aus. Es ist eine alte NATO Basis der Amerikaner und man merkt das schon an den Türen, die diese typischen amerikanischen Exit-Türdrücker haben (also keine Griffe, sondern eine lange Leiste, die man eindrücken muss um nach draußen zu kommen).

Die Rezeption befindet sich schön durch den Regen in einem weiteren Gebäude. Hier werden wir aber sehr freundlich empfangen und können dann in unser Zimmer rein.

Die Architektur ist hier sehr komisch gehalten. Wir haben das Zimmer 406b. Mit unserer Karte kommen wir dann in Zimmer 406 rein, was zwei weitere Türen hat (406a und 406b). Hier befindet sich aber auch noch das Badezimmer. Es teilen sich also immer zwei Zimmer das Bad. Wir denken zuerst, dass neben uns niemand anderes da ist. Sarah fängt an, die ganzen Klamotten irgendwie auszuwringen und auszuwaschen, während ich die ganzen Koffer hole. Wir sind dabei schön egoistisch laut. Irgendwann fragt sich Sarah ob wir tatsächlich allein sind – dann könnten wir die Klamotten nämlich im Bad trocknen lassen. Ich klopfe hart und herzlos an der Tür zu Zimmer 406a an „Anyone here?“ – in der Erwartungshaltung dass da keiner ist, doch schockierenderweise meldet sich dahinter irgendjemand deutsches mit einem schroffen „Jaaa“.

Wir haben also gegen mind. halb 10 einen unglaublichen Lautstärketerror betrieben. Unsere Stimmen konnte man wohl wunderbar durch die Tür hören, da wir viel Zeit im Flur zum Badezimmer verbracht haben. Die armen Leute dahinter versuchten vermutlich irgendwie zu schlafen, was wir mit unserem Terror nicht erlaubt haben. Ich entschuldige mich kurz durch die Tür und wir benehmen uns jetzt etwas besser.

Wir breiten alles mögliche Nasse in unserem Zimmer aus und lassen die Klamotten schön auf den Boden tropfen. Super Sache, hätten wir doch besser das Bad benutzt.

Ich nehme ein paar Sachen aber nochmals mit ins Bad und wringe die dann doch stärker aus. Keine Ahnung ob die Kleidung es überlebt hat, aber einen Wasserschaden im Zimmer wollte ich dann doch nicht verursachen.

Das Zimmer ist in Ordnung. Man sieht überall die umgebauten Steckdosen, die zuvor amerikanische Dosen waren. Die Lichtschalter und auch das Badezimmer sind noch sehr US-angelehnt. Die Dusche wird wie bei vielen Motels über einen Ring am Hahn umgeschaltet, was wir auch sonst nirgends gesehen haben. Im großen Gang gibt es noch Abdrücke von alten Infotafeln, welche aussagen, wie ein Soldat sich im Beschwerdefall zu verhalten hat.

Der Rest des Hostels ist aber irgendwie dann doch ganz charmant. Es befinden sich Sofas in den Gängen und auch ein paar Arcade Automaten, die aber am Abend noch aus sind. Einer der Automaten möchte irgendwelche Windows Updates machen – sind also moderne Geräte in schöner Arcade-Optik.

Wir ziehen uns in unseren Flugzeug-Klamotten um und gehen noch mit dem Laptop bewaffnet zur Rezeption im anderen Gebäude. Hier befindet sich nämlich auch noch die Bar, wo wir unser letztes isländisches Bier zum günstigen Preis von 600 Kronen und natürlich für Sarah ein Somersby Apple gönnen.

Hier schreiben wir noch viel zu lange (bis 23:15) den Artikel des Vortages.

Ins Bett geht es dann kurz vor 12 Uhr. Wir müssen um 2:30 wieder aufstehen, haben also hier eigentlich nur 2,5 Stunden Schlaf. Doch auch diese kurze Zeit ist jeden Cent wert.

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