Island 2018 – Tag 13: Ankunft in Deutschland

Am Abflugtag stehen wir um 2:30 Uhr auf, fahren zur Mietwagenabgabe, die uns wie schon zu Beginn doch stark suspekt wirkt und erfreuen uns am modernen Flughafen Keflavik.

Keine Fotos vom Abflugtag – nur ein paar pennende Leute am Flughafen Keflavik. Wir hätten uns mit der Lösung rund 80 EUR sparen können. Aber naja zum Schluss sind wir doch noch froh das Hotel am Vortag gehabt zu haben.

Der Abflugtag ist immer irgendwie mit Stress verbunden. Ich wache schon mit Magenkrämpfen auf – habe von der Abgabe des Mietwagens geträumt.

Der Mietwagenanbieter „Greenmotion“ ist auf Tripadvisor und Co. schon dafür bekannt ein Abzockerladen zu sein. Viele Leute berichten darüber, wie sie um die Kaution betrogen worden sind und wie hier mit miesen Methoden versucht wird, mehr Geld rauszuschlagen. Aus diesem Grund haben wir auch am Vortag das Auto noch etwas gesäubert, doch meine Träume führen zu irgendwelchen Sonderklauseln, die uns tausende von Euro kosten werden.

Dabei sollte es uns scheissegal sein: Wir haben eine Selbstbeteilungs-Versicherung dabei, die uns selbst bei einem Schadenfall zu keinen Kosten führen wird. Trotzdem ist es so, dass es a) Stress ist und b) ich immer das ungute Gefühl habe, irgendeine Formalität nicht zu beachten oder irgendeine Sonderklausel zu haben, die den Schaden nicht abdeckt. Ich hätte ja liebend gerne bei einem renommierten Anbieter gemietet, aber auch die haben in Island unglaublich schlechte Bewertungen. Es ist wohl Teil des Geschäfts, die Leute hier bei den Mietwägen zu schikanieren. Wir haben uns deshalb für den drittbilligsten Entschieden, doch schon damals beim Abholen des Autos habe ich ein ungutes Gefühl gehabt. Der Laden wirkt einfach vorne und hinten unseriös (und wir mussten ja irgendwie unsere Abholung damals noch organisieren).

Egal, wir stehen um 2:30 auf. So richtig geschlafen haben wir nicht, aber etwas dösen konnte man. Wir stehen ohne Wecker auf und machen uns im Bad kurz fertig für den Flug. Die Koffer werden final geschlossen, es wird gewogen und wir wundern uns nicht wirklich: Wir haben tatsächlich mal wieder mehr Gewicht als beim Hinflug. Das Wasser in den Klamotten wird sicher einen großen Teil beigetragen haben. Wir müssen das Zeug zuhause schnellstmöglich waschen und dann trocknen.

Die Abgabe des Autos gestaltet sich so unangenehm wie erwartet. Der Typ am Schalter läuft nach ewig langer Wartezeit (keine Ahnung was der gemacht hat) zum Auto, macht dort die Türen auf und zu, unterzeichnet irgendetwas auf dem Zettel und steigt in das Auto ein. Ich laufe zwar mit ihm, aber anders als bei guten Anbietern wird hier nicht gemeinsam ein Check gemacht, sondern er will das Auto zum Waschen bringen. Ich kann da nicht viel protestieren, also gehe ich einfach wieder rein.

Ich merke auch, warum der sich so komisch benimmt: Sein Atem stinkt unglaublich nach Alkohol. Der Typ ist vermutlich ziemlich besoffen bei der Arbeit hier. Er fährt das Auto auch mit aufjaulenden Motor zum Waschen und kommt dann nach ein paar Minuten innen wieder an. Ich unterzeichne den Abgabeschein und realisiere viel zu spät, dass ich selber ja gar keinen Gegenbeleg habe.

Die Typen sagen, dass wir bald zum Flughafen gefahren werden, machen noch ein paar schlechte Witze, bieten uns aber wenigstens Kaffee an.

Ich bin mir nicht sicher, was das für Kerle sind. Beide sehen aus wie Leute, die aus dem Knast gekommen sind. Die Sprache war auch nicht isländisch – es klang eher wie ein weicheres Russisch. Vielleicht Ukrainer?

Es treffen auch so langsam noch andere Touristen ein, wodurch der Laden dann ein bisschen wohliger wirkt. Allein mit den zwei Typen wars dann doch etwas komisch.

Mir fällt auf, dass ich keinen Zettel von ihm bekommen habe, also bitte ich ihn, auf meinem Zettel noch zu unterzeichnen. Ich frage ob mit dem Auto alles passt – er sagt zuerst ja. Nach der Bitte um die Unterschrift nölt er aber ein wenig rum. „Ist ja eh nicht gültig, wir behalten uns vor nach dem Waschen noch Sachen zu bemängeln“, „Ich habe den Vertrag bereits geschlossen“ – usw.

Ich bitte ihn trotzdem um Unterschrift, dass alles gepasst hat – und wenn es nur für meinen besseren Schlaf sorgt. Wiederwillig unterzeichnet er das Ding aber – ich bleibe trotzdem nicht mit einem guten Gefühl zurück. Mein Urin sagt mir, dass wir von denen sicher noch irgendwas hören werden.

Die Fahrt zum Flughafen erweist sich als unspektakulär. Der Typ der uns fährt ist auch derjenige, der uns am ersten Tag abgeholt hatte. Er wirkt viel zu fröhlich für die frühe Stunde. Ich verdächtige auch, dass er gesoffen hat – oder was anderes genommen hat.

Wir kommen aber gut am Flughafen an. Das Kapitel Greenmotion ist damit fürs erste gegessen. Mal sehen was irgendwann kommen wird.

Den Flughafen haben wir beim Hinflug nicht wirklich gesehen. Jetzt beim Abflug erstaunt uns, wie modern das Ganze hier ist. Man geht zuerst zu einem Self-Checkin Schalter, wo man sich selber die Kofferbänder ausdruckt.  Diese bringt man dann selber am Koffer an. Abschließend läuft man zu einem Self-Baggage-Drop Schalter, wo man den Koffer draufschmeißt und die Kofferbänder abscannt. Die Koffer befinden sich dann auf der Reise. Wenn die Dinger in Frankfurt ankommen bin ich dann erstaunt von dem System. Man hat wie so oft in Island jetzt aber gar nichts mehr mit Menschen zu tun. Die isländischen Gehälter sind wohl so hoch, dass sich jede Automatisierung lohnt.

Ganz so flüssig liefs natürlich noch nicht ab: Wir haben zuerst nicht geblickt, dass wir die Kofferbänder wo anders drucken müssen. Die sollten das entweder direkt an dem Drop-Off ermöglichen oder stattdessen besser die Schritte ausschildern. Jetzt wo wir es aber wissen, würde das beim nächsten Mal tatsächlich viel effektiver sein, als der bisherige Kontakt mit dem Schalter.

Durch die Security läuft es auch teilautomatisch. Wir scannen unsere Boardingpässe selber und kommen dann zur technisch hochwertigen Securitykontrolle. Wir haben hier zwar keine Körperscanner, aber die Kisten für den Security Scan kommen automatisch heraus. Man schmeißt dann den ganzen Kram in die Kisten und läuft durch den normalen Metalldetektor (der bei mir gepiept hat für eine zufällige Sprengstoffkontrolle). Am Ende des Bandes schieben sich die Kisten selbstständig in eine Aufnahmestelle, die dann die leeren Kisten wieder zum Startpunkt überträgt. Faszinierende Technik – wenn sie denn gut funktioniert. In den meisten Flughäfen hat man hier immer noch ein wildes Gefuchtel mit den scheiß Plastikkisten, die immer wieder volllaufen, weil sie keiner der Mitarbeiter nach vorne schleppt.

Der Flughafen hat natürlich überall kostenloses WiFi, weshalb ich jetzt ein wenig Zeit habe die letzten zwei Beiträge zu schreiben.

Wir haben auch eine leere Flasche durchgeschmuggelt und konnten so hinter der Security jetzt neben den Toiletten unsere Flasche am Wasserspender auffüllen. Das ist hier sogar so vorgesehen: Die Isländer sind schon stolz auf ihr gutes Bergwasser. Der Hahn sieht sogar explizit das Befüllen einer Flasche vor.

Auch der Checkin ist hier irgendwie effektiver gestaltet. Das Gate wird frei, man stellt sich an der Seite in die Reihe an, hat gar kein Gelaber von irgendwelchem Bodenpersonal und läuft dann gemütlich in den Flieger rein. Es gibt zwar immer noch einen Boardingkarten Check, aber irgendwie fühlt sich das hier alles wesentlich glatter an. Viel besser als das ganze Geschisse mit irgendwelchen Wartebereichen am Gate, Gelaber vom Bodenpersonal, dann noch einer scheiß Busfahrt zum Flugzeug usw.

Die letzten Worte schreibe ich jetzt im Wow-Flieger. Unter unseren Sitzen gibt es Steckdosen, also kann ich hier am Laptop auch ein wenig diese Worte in Ruhe zusammenfassen. Ich versuche jetzt ein Nickerchen zu machen. Hoffentlich muss ich nicht als nächstes einen Beitrag über defekte oder verlorene Koffer machen…

Nachtrag am 24.06.2018:

Wir haben glücklicherweise unsere Koffer auch in diesem Urlaub nicht verloren. Daumen drücken, dass es auch in Zukunft so bleibt. In Frankfurt angekommen hat der Flieger eine halbe Ewigkeit von der Landung bis zum Andocken gebraucht.

Wir müssen bei der Landung den Typen vom Parkplatz anrufen, damit die unser Auto wieder zum Flughafen fahren. Optimistisch rufe ich sofort nach der Landung an, aber bis wir dann mal endlich am Gepäckband standen meldet er sich wieder mit der Frage, wo wir denn bleiben. Also nicht anklagend, sondern nur rückfragend (da er noch andere abzuholen hätte).

Das Gepäckband schauen wir auch noch eine viel zu lange Zeit mit allen anderen an, bis es sich irgendwann dann doch endlich bewegt. Alle ums Band herum werden schon nervös und wir witzeln, dass die das Gepäck einfach vergessen haben.

Natürlich kommen unsere Koffer auch schön zum Schluss aufs Band. Vor allem als um uns herum sich langsam die Reihen lichten wird es einem dann doch etwas flau in der Magengegend. Nicht wegen der Tatsache, dass die Koffer verspätet sein könnten – solange das bei der Ankunft passiert ist es ziemlich verkraftbar. Sollen die die Dinger dann halt nach Hause schicken. Aber der Stress dann am Schalter, das Erfassen von irgendwelchen Schadensmeldungen usw. – ätzend.

Man fängt dann irgendwann auch an, die Ausgabestelle, also wo die Koffer als erstes rauskommen, ziemlich genau zu studieren. Jeder cm eines neuen Koffers wird analysiert, in der Hoffnung, dass es der eigene ist. Wenn sich dann das Licht des Raumes in der rauen Oberfläche unserer Koffer bricht, spürt man richtig den Stein vom Herzen fallen.

Wir schaffen es dann tatsächlich unsere Koffer zu erhalten und stolzieren durch das grüne Zolltor. Hier wäre eine Zollkontrolle doch gar nicht so uninteressant, vielleicht treffen wir ja mal die Tante von Achtung Kontrolle.

Natürlich werden wir die Zollkontrolle aber erst dann haben, wenn es uns absolut nicht reinpasst…

Nach einem kurzen Telefonat mit dem Typen vom Parkplatz bekommen wir das Tor, aus welchem wir herauslaufen sollen. Wir warten dort nur ein paar kurze Minuten und schon steht der gute Mann mit unserem wunderschönen Ford dran. Auch nach kurzer Kontrolle können wir keine Schäden am Auto entdecken, nehmen den Schlüssel dankbar in Empfang und fahren sofort los.

Wir sind echt froh, dass wir uns für diesen Valet Service entschieden haben. Für den Stress mit irgendeinem Shuttle oder so einem Scheiß zu einem 45 Minuten entfernten Parkplatz gekarrt zu werden sind wir wohl einfach zu alt. Gerade, wenn man noch 3-4 Stunden heimfahrt vor sich hat. Wir entscheiden, das wohl öfters in Betracht zu ziehen.

Die Heimfahrt gestaltet sich dann auch so ätzend wie erwartet. Sowohl in Karlsruhe als auch in Stuttgart stehen wir an diesem Freitagnachmittag in ekligem Stau. Wenigstens war es nicht elendig heiß – und meistens hatten wir nur stockenden Verkehr. nach etwas mehr als vier Stunden Fahrt (länger als der längste Fahrtag in Island) kommen wir dann endlich wieder in unserem wunderschönen zuhause an.

Egal wo wir auf der Welt sind – der Moment, wenn man nach einem Urlaub wieder in seine eigenen vier Wände kommt, gibt einem einfach ein wundervolles, molliges Gefühl, das ich nur zu gerne in Flaschen abfüllen würde. Eine Dosis Welcome-Home wäre aber vermutlich zu stark suchterregend.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass unsere Wohnung nach dem Urlaub eigentlich immer blitzeblank geputzt und aufgeräumt ist. Meine Mutter sitzt da vermutlich mehrere Tage an der Grundreinigung der Wohnung. Wir haben zwar vor Abflug noch geputzt, aber das ist kein Vergleich mit der Sauberkeit, die wir nach dem Urlaub antreffen. Die Katzen sind glücklich, der Kühlschrank gefüllt, die Wohnung sauber, die Toilette ist unsere eigene… Zuhause ist es halt doch am Schönsten.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.