Israel 2019 – Tag 2: Tel Aviv Jaffa

Wir merken, dass wir im Urlaub etwas entspannter werden. Ruhig mal ein oder zwei Stunden etwas bummeln und in einem Café die Stadt auf einen wirken lassen, anstatt eine Sehenswürdigkeit nach der anderen Abklappern. Dementsprechend wenig gibt es aber auch heute zu schreiben – und auch die Fotoausbeute hält sich heute im Rahmen

Die gestrige Nacht war irgendwie nicht sehr entspannend. Man könnte auch qualvoll sagen. Wir schliefen erst sehr spät ein. Das Bett fühlt sich fremd und nicht sehr entspannend an – auch wenn es einigermaßen weich ist. Das Licht von draußen scheint die Treppe hoch, da die obenliegenden Fenster keine Rolläden haben. Außerdem blendet noch eine Straßenlampe einen guten Lichtkegel in das AirBnB.

Irgendwann um 10 schaffen wir es dann auch langsam aus dem Bett zu krabbeln. Träge stapfen wir die Treppen runter um uns in unsererem temporären Zuhause fertig zu machen. Bis ich den Beitrag geschrieben habe und wir uns eingecremt haben ist es schon nach 11.

Tel Aviv begrüßt uns aus einer noch stickigeren Wand als gestern. Aus dem klimatisierten AirBnB auf 80% Luftfeuchtigkeit zu knallen gibt einem schon einen guten Start in den Tag. Man gewöhnt sich aber nach einiger Zeit etwas daran, auch wenn wir nie Fans von solchen Hitzen werden.

Wir spazieren etwas durch unser Viertel, welches ansich schon eine Touristenattraktion ist. Florentine ist ein wenig das örtliche Hipsterviertel. Man merkt das auch schnell anhand der jungen hippen Leute, aber auch an der Menge an Veganen Restaurants.

Natürlich anhand von Bewertungen suchen wir uns ein „günstiges“ „Streetfod“ Restaurant aus. Wir sitzen auf einfach gehaltenen Möbelstücken, vor uns steht eine ausgespülte Raviolidose für das Besteck und unsere Getränke kommen selbstverständlich mit Metallstohhalm.

Wir bekommen zwar eine englische Karte, aber im Endeffekt haben wir keine Ahnung was wir bestellen. Also kurz die Frage nach dem most-popular dish – wird schon passen.

Und da ist es – das feeling, welches auch einen großen Teil der Urlaubserfahrung ausmacht: Der Genuss von irgendwelchen Geschmäcken die man so noch nie oder noch nie in dieser Kombination gespürt hat. Irgendein fettiges Brot erhalten wir, welches als köstlichere Pita den göttlichen Inhalt umschlingt. Einfach genial dieses mysteriöse Essen – Urlaub kann kommen.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir in Jaffa – den Teil von Tel Aviv der den arabischeren Teil darstellt. Der alte Hafen ist hier die wichtigste Attraktion, an welchem Ausgrabungen alte Mauern von der Zeit der Kreuzzüge gefunden haben. Es gibt einen Flohmarkt, der hauptsächlich aus Gürtel, Teppich und Schmuckhändlern besteht. Man kann jegliche Formen von Davidsternen kaufen, ein paar Wunderlampen und komische Klamotten. Viele dieser jüdischen Käppchen, die man so von den etwas Gläubigeren kennt. Mittels den Kappen kann man sich hier wohl auch konservativ individuell gestalten.

Wir sind natürlich zu geizig für irgendwas davon, also begeben wir uns nach dem kurzen Ausflug am Flohmarkt Richtung Hafen. Wir suchen verzweifelt nach irgendeinem normalen Supermarkt, der uns etwas Wasser verkauft. Die Sonne bruzzelt auf uns runter, während wir uns sorgen machen, dass wir nicht genug Sonnencreme aufgetragen haben. Das Bummeln an diesem Hafen ist zwar ganz nett, aber uns hat es abgesehen von ein paar coolen Gebäuden nicht so von den Socken gehauen. Teuer konnten wir uns etwas Wasser organisieren – in einem Land, welches m.E. kostenlose Wasserspender zur Verfügung stellen sollte. Ach was rede ich da, jedes Land sollte die Wasserzufuhr für die Leute sichern. Ist eh schon eine Frechheit, dass es am Flughafen so wenig zu trinken gibt. Aber das war ja ne andere Geschichte.

Mit vielen Pausen in den wenigen schattigen Plätzen lassen wir dieses Stadtviertel auf uns wirken. So wirklich viele Touristen trifft man hier nicht an. Israel ist noch nicht so vom Tourismus überflutet wie so manch anderes „exotisches“ Land. Ein paar Gruppen mit Amerikanern grüßen uns aufgrund unserer Texas Longhorn Mützen freundlich mit einem kleinen Smalltalk – diese Mützen triggern echt unheimlich oft irgendwelche Amis. Ich hätte keine Ahnung ob hier jemand das T-Shirt von einem deutschen Fußballclub trägt. Selbst wenn, würde mich das einen Scheiß interessieren.

Ein Trupp von israelischen Männern, welche einem Bräutigam mit Fotokameras, Drohnen, Videokameras mit Gimbal belagern läuft uns den Nachmittag über immer wieder über den Weg. Alle mit den Mützen, außer der Bräutigam – der durfte sich einen guten Amish Hut zum Anzug gönnen.

So langsam wurde es an der Zeit den Rückweg anzutreten. Wir waren jetzt gut 25 Minuten von unserem AirBnB entfernt und meine Blasen an den Füßen beschwerten sich auch schon bereits. Wieder mit dem Taxi zurück in dem Verkehrschaos wird ein teurer Spaß – so richtig Bock auf Bus hatten wir aber auch nicht.

Überall in Tel Aviv sieht man aber die Elektroroller. Die Israelis sind uns da schon Jahre voraus. Die ganze Stadt wird von elektrischen Fahrzeugen belebt – ohne den Dingern hätten die vermutlich noch einen größeren Haufen an Verkehrschaos. Die Stadt hat ja auch leider keine U-Bahn um wirklich eine Alternative zum Auto zu sein.

Es gibt grüne Scooter und schwarze Scooter. Zwei Firmen teilen sich den Markt also in -Tel Aviv. An jeder Straßenecke sieht man irgendwo einen der beiden Arten parken. Mit einer App auf dem Handy kann man jeden Scooter entsperren und dann diesen für 1 EUR je 4 Minuten (+1,25 EUR einmalig pro Entsperrvorgang) nutzen.

Die App zeigt einem an, wo die nächsten Scooter sind, welchen Ladezustand diese haben, wie viele Kilometer man damit noch kommt und mittels einem Button kann man einen bestimmten Scooter in einem Haufen ausfindig machen (er klingelt dann).

Dank kostenfreiem WiFi konnten wir uns bei der App registrieren um selber mit den Dingern zurück zu fahren. Wir suchten uns zwei Roller aus, entsperrten diese via dem Handy (Sarah hat sogar eine kostenfreie Entperrung erhalten, da ich sie geworben hatte) und tasteten uns langsam auf den Dingern voran. Daran merkt man auch, dass man älter wird: Balance auf neuen Geräten zu halten dauert etwas länger als früher.

Nach ein paar Metern haben wir den Dreh aber raus (merke: aus dem Stand legen die Dinger nicht los, man muss erst ein paar Meter selber schieben ). Das Fahren klappt ganz gut, wenn man sich zumindest an die Straßenverhältnisse gewöhnt hat. Pflastersteine und Schlaglöcher sind zwar zu beachten, aber die Federung der kleinen Flitzer ist echt nicht so schlecht. Helme gab es leider keine zum Ausleihen – dabei sind die Israelis doch schon relativ fortgeschritten. Etwas mehr als die Hälfte hat Helme auf.

Die Roller sind wie in Deutschland auf 25km/h zugelassen. Das Gerät ist rechtlich wie ein Fahrrad zu sehen, zumindest muss man auf Fahrradwegen und wenn nicht vorhanden auf der Straße fahren. Auf dem Gehweg sind die Dinger verboten, auch wenn wir manchmal zu gern den breiten Weg genutzt hätten.

Wir cruisen locker (naja viel zu lang – gut 20 Minuten, wir hätten also auch laufen können) wieder zu dem Restaurant von heute morgen. Nicht wegen dem Essen (ich würde nie zweimal das selbe essen – im Urlaub), sondern wegen der Happy Hour.

Bevor wir aber 2 Cocktails zu einem Preis vernichten können, müssen wir den eScooter wieder sperren. Und das geht nur mit dem Handy. Und das hatte natürlich kein WiFi. An vielen Stellen Israels gibt es kostenloses WiFi, aber wenn mans wirklich braucht, dann ist es fast nie aufzufinden. Genauso hier. Wir ließen die Scooter also kurz allein um in der Bar nach einem WiFi Kennwort zu fragen. Sarah erschnorrte uns das benötigte internet und schon konnten wir die Geräte sperren. Danach muss man noch ein Foto vom Abstellort hinterlassen. Es wird nämlich verlangt, dass der Scooter ordentlich aufgeräumt an einer Ecke stehengelassen wird. Die Fotos können dann andere Fahrer bewerten (oder beim Abholen schon eine Beschwerde einreichen), damit zu faule Leute dann auch gesperrt oder im schlimmste Fall Strafzahlungen erhalten können.

Erfreut verabschieden wir uns von unseren Gefährten und lassen den restlichen Abend bei paar Cocktails ausklingen

Gut ganz vorbei war der Abend noch nicht. Später packte natürlich wieder der Hunger, also versuchten wir ein typisch israelisches Restaurant. Auch hier war das Essen großartig. Der Wrap war eine Art Blätterteig (natürlich wieder viel zu fettig) mit leckerem Kebap. Dazu gab es Eintopf (zartes Rindfleisch) mit selbstgemachtem Couscous. Zur Vorspeise bekamen wir frittiertes Brot (man merkt schon, es gibt hier ein paar wiederkehrende Muster), welches man mit diversen Dips verzehren konnte.

Es war absolut leckeres Essen – und davon noch viel zu viel. Preislich war es leider dann nicht so günstig. Wir zahlten 145 Scheckel (=37 EUR) für die Vorspeise, zwei Hauptspeisen, zwei antialkoholische Getränke und einen Ouzo mit dem Barkeeper (gut, der war kostenlos – aber hier saufen die wenigstens zu dritt mit).

Auf dem Weg nach Hause schauten wir dann noch in einem kleinen Supermarkt rein (es war kurz vor 10) mit frischem Obst. Obst für den geplanten Mojito, aber auch für das morgige Frühstück. Auch hier merkt man, dass Israel leider kein günstiges Reiseland ist. Es ist manchmal so teuer wie bei uns… und manchmal so teuer wie auf Island.

Ach und auch sonst haben wir heute nur positive, nette Kontakte mit Israelis gehabt. Alle sehr nett – aber nicht zu nett. So die richtige Dosis nett, damit es ein Deutscher auch abkauft. Man wird nur selten in einen Laden gedrängt und selbst an so etwas schäbigeren Orten, wie z.B. einem Alkoholladen (wir suchen das örtliche Bier und den örtlichen Cider auf) gibt es freundliche Beratung, keine Abzocke und irgendwie ein gutes Gefühl.

Israel ist das Erleben eines exotischen (leicht arabisch angehauchten) Landes, aber ohne, dass es einem zu viel wird. Ganz ähnlich wie wenn man Singapur mit dem Rest von Asien vergleicht (vielleicht ohne Japan). Irgendwie etwas aufgeräumter, sicherer (ja auch in Israel fühlt man sich sicherer – zumindest die unmittelbaren „Gefahren“ wie Diebstahl oder das ungute Gefühl nachts in der falschen Gasse zu sein sind hier sehr reduziert bis gar nicht vorhanden), aber trotzdem mit genug ungewöhnlichen Erlebnissen gepaart.

Den Text hier schreibe ich jetzt heute Abend noch. Morgen früh können wir nicht wieder ne Stunde warten, bis ich irgendwelchen Gedankenmüll runtergetippt habe. Hauptsache die Fotos sind da.

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