Schottland 2015 Tag 7

Heute ist unser Hochzeitstag. Vor einem Jahr befanden wir uns auf einer Insel als wir uns das Ja-Wort gegeben hatten und jetzt, ein Jahr später wandern wieder wieder auf einer Insel umher. Ich denke wir sollten das zu einer Tradition machen. Vielleicht kaufen wir uns auch besser mal eine Insel – so auf 50 Jahre gesehen könnte sich das amortisieren.

Wir verabschieden uns heute vom Charmanten B&B hier und wundern uns ein wenig, was hier heute morgen für ein Lärm herrscht. So wie es aussieht hat die gute Frau die ganze Familie zum Essen eingeladen und wir fühlen uns wie junge Teenager, die nicht nach unten kommen weil irgendwelcher Besuch da ist, den wir nicht antreffen wollen. Als sihc alles ein wenig beruhigt packen wir schnell zusammen, verabschieden uns traurig vom schönen Zimmer mit Ausblick und schleppen die Koffer ins Auto. Der guten Gastgeberin winken wir noch kurz – verabschiedet haben wir uns ja schon gestern Abend.

Heute wird ein langer Fahrtag. Absolute Romantik gibts nur mit 7h Autofahrt. Wir werden heute an der Küste entlang den Weg auf die Isle of Skye einschlagen.

Zunächst decken wir uns aber im Tesco mit Kraftnahrung für den harten Tag ein – und schon wieder sind 30GBP im Laden verpufft. Wir gönnen uns Wraps, Sandwiches und auch ein paar Sausage Rolls. Verhungern werden wir auf der Fahrt auf jeden Fall nicht. Außerdem sparen wir massig Geld, da wir im Tesco billiges Wasser für 17 Pence gefunden haben.

Wir müssen Sprit besorgen, also suchen wir die einzige Tankstelle hier auf und ich rangiere zwälffach bis ich das Auto endlich an die dumme Zapfsäule stellen kann. Irgendwie verwirrt mich die Tankdeckelposition, die bei unserem Auto gegenüber der Fahrerseite ist, aber hier auf der Fahrerseite, die ja eigentlich für mich die Beifahrerseite sein würde. Oder so – verdammter Linksverkehr macht mich fertig.

Wir fahren heute ohne Navi, da es noch kein direktes Ziel gibt. Nur die Karte wird erst einmal eingeschaltet und es wird nach Kompass gefahren. Das erste eigentliche Ziel ist der Viehweg namens „Bealach na Bà“ – anscheinend die gefährlichste Straße Schottlands. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg an der Küste, aber als Sarah mal über das Navi berechnen lässt, wie lange wir überhaupt bis zur Bealach na Ba brauchen (6h) nehmen wir gleich mal eine Abkürzung durch das Land bis nach Shieldaig. Die komplette Fahrt ist auch ohne der langsamen Küstenstraße ohne Ende mit einer super Aussicht ausgekleidet. Das Fahren hier macht einfach nur Spaß, da man als Fahrer einfach immer wieder vor sich riesige Berge mit schönen Serpentinen hat. Der Weg bis Shieldaig ist glücklicherweise oftmals zweispurig, aber auch so braucht die Fahrt bis da hin allein schon 1,5h. Ab Shieldaig nehmen wir eine einspurige Küstenstraße, was die Fahrt enorm verlangsamt. Man hat oftmals keinen richtigen Überblick über die Straße vor einen und muss dementsprechend langsam fahren. Immer wieder gibt es die „Passing Places“, die für das Vorbeifahren benötigt werden. Innerhalb der normalen Straße kann man oftmals nicht aneinander vorbei, was oftmals für Rückwärtsfahrten sorgt.

Die Strecke lohnt sich dennoch. Massig Schafe besuchen uns auf der Fahrt und auch die flauschigen Highlandkühe lächeln uns von der Straße an.

Sarah ist hier schon ziemlich fertig. Solche Fahrten sind für Sarah trotz schöner Aussicht wesentlich anstrengender als für andere Leute. Sie kann nichts nebenbei machen und nur geradeaus schauen. Sie muss sich auf die Straße konzentrieren, damit die Übelkeit sie nicht überrascht und wenn sie ein Mittel dagegen nimmt pennt sie sofort weg. Heute Nacht hat Sarah auch irgendwie nicht so gut geschlafen, also merke ich nach 3h, dass es ihr nicht mehr so gut geht. Wir suchen uns einen Parkplatz und ich positioniere das Auto mit der Schnauze Richtung Meer. Wir setzen die Sitze zurück und machen einfach ein Nickerchen im Auto. Währenddessen regnet es ein wenig und so relaxed uns das prasseln der Tropfen im Auto, welches gar nicht so unbequem als Notbetten fungiert. Kaum hatten wir da hingeparkt, hören wir auch andere Fahrzeuge neugierig dort parken. Immer wenn ein Auto irgendwo steht, wirft man auch einen Blick auf die Aussicht, da ja irgendwas interessantes dort sein könnte. Wir lassen uns davon nicht beeindrucken und ziehen das glorreiche Nickerchen durch. Nach einer Stunde prügelt Sarah mich wach und ich schmatze ein paar, wische mir den Sabber vom Polo Hemd und wir setzen wieder Kurs in Richtung Applecross – dem Starpunkt zum Bealach na Ba.

Auf dem Weg dahin kommen wir zwar laut Navi an ein paar „Dörfern“ vorbei – das bedeutet hier aber mehr als 2 Häuser auf einem Haufen. Viel mehr gibt es nicht, also ist der erste Kontakt mit der Zivilisation erst wieder in Applecross.

Applecross ist ein verschlafenes Kaff mit ein paar Restaurant und einem Campingplatz. Wir parken dort am kostenfreien Parkplatz und mehrere Schilder informieren uns auch, dass hier das Pinkeln wunderbar kostenfrei ist. Man könnte schon meinen die nutzen unseren Urin für die Energieerzeugung, so sehr wird das kostenfreie Klo hier beworben.

Auf der Toilette kann man ein wenig die Werbung dafür verstehen. Laut den Schildern wurden die freien Toiletten hier von der Community selber auf die Beine gestellt und diese scheinen jetzt der ganze Dorfstolz zu sein. Die Unisex Toiletten leben von Spenden und aus irgendeinem Grund können wir gar nicht anders, als ein paar Pence dafür zu spenden. Hätten die Toiletten was gekostet, würden wir vermutlich versuchen uns drumrum zu mogeln – aber da es hier freiwillig ist haben wir gleich viel mehr Lust zu spenden.

Frisch geleert und desinteressiert vom Rest des Kaffs starten wir unsere Fahrt auf dem Bealach na ba. Einige Schilder weisen auf die Gefahr auf dieser Strecke hin – unter anderem das Verbot für Caravans auf der Straße und die Tatsache, dass die Strecke bei Winterbedingungen nicht befahrbar ist.

Wir hoffen, dass der Regen keine Probleme macht und begeben uns auf die Straße. Zu Beginn irritiert uns das Drama um das Ding. Ja die Straße ist eng, aber das war die Strecke gestern auch. Die Strecke hat sogar weniger Schlaglöcher als die von gestern – man muss nur darauf achten, nicht links oder rechts runterzukommen um nicht in den Abgrund zu stürzen.

Wir haben vor ein paar Jahren Zypern in einem Mietwagen bereist und damals die unbefestigten Straßen in den Bergen befahren. Wir mussten um jede Kurve hupen, da ein entgegenkommendes Auto vermutlich den Tod bedeutet hätte. Ich denke die damalige Erfahrung hat uns relativ abgehärtet, also können wir das Drama um die Straße hier nicht so ganz verstehen.

Was dennoch etwas Irre ist, ist die starke Steigung der Straße. Wir müssen den Löwenanteil des Weges da im ersten Gang verbringen und sind hier sehr froh nicht mit dem eigenen Auto hier fahren zu müssen.

Am höchsten Punkt des Bealach na bà, der 626m über dem Meeresspiegel liegt, kommt uns ein Fahrradfahrer entgegen – in kurzen Hosen. Wir haben hier die Jacken schon an und frieren uns den Arsch ab, das Auto ist den Weg nichtmal richtig hochgekommen und der fährt hier in kurzen Hosen den Hügel hinauf.

Wir machen ein paar Fotos, genießen einen kurzen Moment die Aussicht und steigen gleich wieder ins Auto um uns aufzuwärmen. Der restliche Weg wird jetzt bergab gehen und hier merken wir auch eher, warum die Strecke so einen Ruf hat. Wenn wir von der Seite hätten kommen müssen, hätte das Auto vermutlich nicht überlebt – hier ist es noch einen dicken Batzen steiler als von der anderen Seite. Selbst die Abfahrt ist anstrengend, da wir hier immer wieder ultrasteile Kurven nehmen müssen und ich jedes mal Schiss habe, dass wir irgendwie aufsetzen könnten. Auf der Geraden begegnen wir einem uralten Wohnwagen, der die Warnschilder ignoriert hat. Die Motorhaube ist offen und der Besitzer läuft gerade den Hügel mit einem Ersatzteil hoch. Die Warnschilder sollte man also wohl ernst nehmen – der Typ muss das Ding zum Laufen bringen, oder mal 20 Minuten Rückwärts den Hügel hinunterrollen, da man hier nirgends wenden kann.

Als wir am Fuß des Berges ankommen und damit unsere lange Fahrt beenden, sind wir bereits 5 Stunden auf dieser Fahrt. Wir haben jetzt 20 Minuten nach 16 Uhr und Sarah hatte heute noch vor unserem endgültigen Ziel auf Skye ein Castle eingeplant. Das Castle verkauft jedoch nur Tickets bis 17 Uhr und das Navi verspricht eine Ankunft um 16:56. Wenn man realistisch ist, kann das nichts werden, aber ich gebe Vollgas und kann tatsächlich ein paar Minuten reinholen.

Apropos Navi: Wer zum Teufel hat das beschissene Opelnavi entwickelt. So ein Scheißgerät. Aus irgendwelchen Gründen kann man manchmal keine Adresse in diesem Drecksnavi eingeben. Der Menüpunkt kann einfach nicht ausgewählt werden – man kann POIs auswählen, letzte Ziele (also auch Adressen!), aber keine neue Adresse eingeben. Reparieren lässt sich das MANCHMAL mit einem kompletten Ausschalten des Motors (da sonst das Navi nicht neu bootbar ist), aber manchmal auch nicht. Und einmal kamen wir zwar in das Adresseingabemenü, aber wir konnten keinen Ort und keine Straße auswählen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, welche üble Konstellation zu diesem Problem führen kann. Und meine Fresse um einen POI zu suchen (also ein Castle) MUSS man zwingend eine Stadt auswählen. Wenn ich aber keinen blassen Schimmer habe zu welcher Stadt jetzt ein Castle in der Pampa gehört, kann ich den POI nicht auswählen. Also ernsthaft, hat denn keiner diese drecks Opelnavis mal getestet oder selber verwendet?!

Naja.

Uns überrascchen jedoch mehrere Baustellenampeln, die die Ankunftzeit auf 17:05 hochjagen. Auf dem Weg zum Castle kommen uns regelmäßig alte britische Rennfahrzeuge entgegen und dann ein paar Minuten später überholen sie uns auch wieder. Irgendwelche Bonzen fahren hier ihre kleinen Rennfahrzeuge aus, was uns auch ein paar gute Abgase einbringt. Irgendwie sind die Autos aber auch ganz cool, also freuen wir uns immer wenn der Kerl mit dem Hähnchen auf dem Beifahrersitz wieder unseren Weg kreuzt.

Wir kommen dann tatsächlich um 17:05 am Eilean Donan Castle an. Das Castle ist Schauort von Filmen wie Highlander oder im James Bond „The World is not Enough“. Uns fallen hier gleich die Touristenmassen – vor allem irgendwelche Asiaten auf. Das Wetter hat sich glücklicherweise noch etwas beruhigt, also können wir auch noch ein paar nette Fotos vom Castle schießen. Wir laufen hinein und wie erwartet ist das Ticketoffice zu. Wir dürfen also nicht in das Castle hinein, aber stattdessen haben die ab 5 Uhr die Tore zum Castle für alle geöffnet, also können wir kostenfrei bis ganz ans Castle heran. So dramatisch ist es also nicht – ich hatte eher schon kein Bock mehr auf noch eine Wendeltreppe gehabt und bin eigentlich ganz froh über die kostenfreie Außenansicht.

Kaum im Auto angekommen, legt das Wetter Schottlands schon wieder los. Man sieht die Fotografen schnell zum Auto rennen, was mich irgendwie stark belustigt.

Unsere Fahrt führt uns jetzt über die Skye Bridge auf die Isle of Skye. Ein kleiner Stop an einem Parkplatz nutzen wir noch für ein Foto der Skye Bridge. Als Sarah jedoch zurückblickt, sieht sie auch warum so viele Leute hier anhalten. Ein leckerer Regenbogen taucht so stark hinter uns auf, das man fast den Goldpot am Ende davon sehen kann. Wir vergnügen uns noch mit ein paar unsinnigen Fotos und nehmen dann endlich die Fahrt auf Skye auf.

Auf Skye wollen wir schon so langsam ankommen, also schmeißen wir das Navi an und fahren schnellstmöglich nach Portree, der einzigen „größeren“ Stadt hier. Das Navi versucht uns krampfhaft durch eine Einbahnstraße in die falsche Richtung zu führen, also müssen wir ein wenig darum kämpfen an unser Bed&Breakfast ranzukommen.

Das Haus sieht von außen irgendwie… kalt aus. Es gibt null Dekoration und die Farbe ist mit einem sehr sehr dunklem Grau etwas gewöhnungsbedürftig.
Wenigstens können wir direkt vor dem Haus parken.

An der Tür begrüßt uns die Gastgeberin Christine. Wir hatten uns Christine irgendwie… jünger vorgestellt. Sie schreibt uns Mails zügig von einem Yoga Tablet, schickt uns digitale Fotos und solchen Kram – und dann taucht hier eine 60-70 jährige Omma an der Tür auf. Christine ist dazu auch noch ziemlich kränklich und das Zimmer im oberen Stockwerk ist zwar sauber, aber auch wieder irgendwie… kalt. Keine Ahnung warum, aber dieser erste Eindruck war ehr schlecht. Alles ist da, alles soweit sauber, aber so richtig glücklich waren wir im ersten Moment nicht. Wir hatten schon kurz überlegt abzuhauen, da die gar nicht unsere Daten hatte, aber da auf Skye schon seit Monaten alles ausgebucht ist, ist das auch nicht wirklich eine Option.

Vielleicht haben uns die vorherigen beiden B&Bs ein wenig versaut und das hier ist eher der Standard, aber naja jetzt müssen wir das hier schon überleben. Das Bad ist übrigens 2qm groß und beim Toilettengang drücken meine Knie gegen die Tür. Die müssten normalerweise vor dem Buchen nach Körpergröße und Gewicht fragen bei dem Bad hier.

Wir bekommen von Christine noch ein paar Empfehlungen für das Abendessen und nehmen den Weg zum „The Granary“ auf. Zunächst finden wir das Ding nicht, da wir keine Karte und keine Ahnung haben. Die Royal Bank of Scottland eilt uns aber mal wieder zur Hilfe und so heben wir dort kostenfrei das Bargeld für das Zimmer hier ab (mit 60 GBP pro Nacht inkl. Frühstück noch eins der billigen) und laden via dem kostenfreien WiFi noch kurz die Offline Karte für Portree runter. Mit Google Maps bewaffnet finden wir das Granary auch zwei Straßen weiter (Portree besteht nur aus einem kleinen Hafen und paar Sträßchen hier). Wir sehen schon, dass der Laden von außen ziemilch voll aussieht und so düsen wir an ein paar Deutschen, die auch da rein wollen, vorbei in das Restaurant. Dort angekommen müssen wir kurz auf einen Tisch warten, aber wenigstens bekommen wir noch einen. Andere werden schon kurze Zeit später bereits abgewiesen.

Wir gönnen uns trotz dem gestrigen Massaker nochmals Fisch – aber brav in Filetform – und können wirklich sagen: das ist eins der besten Menüs die wir jemals gegessen haben. Das Essen war so unglaublich lecker und der Fisch schmeckte wirklich hervorragend. Die Bedienung war auch super freundlich und hatte uns sogar beim Auswählen des Essens gut beraten. Sarah besaufte sich mit ein wenig Weißwein, während ich wieder mal das lokale Bier probiert habe. Ein Skye Gold durfte ich mir gönnen und das Bier war wirklich angenehm – nicht einmal besonders bitter im Abgang.

Nach dem Essen waren wir bereits extrem überfüllt, aber die Frau machte uns das Dessert so schmackhaft, also gönnten wir uns noch ein wenig Homemade Toffee Creme mit einem „kleinen“ Brownie, dazu Whiskey und Vanilla Ice. Wir teilten uns ein Dessert und während ich das hier schreibe läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen. Ich hatte noch nie so ein gutes Dessert in einem Restaurant. Mir war schlecht von der Menge, aber der Geschmack war nicht von dieser Erde. Das Essen war hier mit 53GBP für zwei Gerichte+Dessert+Getränke nicht unbedingt günstig, aber jeden Cent wert. Bei nächsten Mal müssen wir wohl vorher reservieren, da der Sitzplatz ohne Reservierung hier große Glücksache ist.

Um 9 Uhr ist hier bereits Schicht im Schacht, aber die lassen die Leute noch gemütlich fertig essen. Wir selber verschwinden 10 nach 9 aus dem Granary und suchen noch ein Pub auf. Laut Tripadvisor gibt es nur ein vernünftiges Pub in der Stadt hier und das befindet sich sogar neben dem Garanary. Wir betreten dieses Pub und freuen uns über die Live Musik von einem Typen mit einer Gitarre. Hier geht bereits eine große Party – Sitzplätze sind nicht vorhanden und an der Bar muss man auch eine Ewigkeit auf die Bedienung warten, aber wir gönnen uns wieder lokales Bier und Weißwein und lassen uns von der Stimmung einlullen. Ein junges Mädel dreht sich um, als sie hört wie wir deutsch sprechen und fragt gleich woher wir kommen. Am Dialekt hat sie wohl die gleichgesinnten erkannt, denn Steffi (so heißt sie) kommt aus Stuttgart. Wiedermal typisch im Urlaub – man lernt halt nur deutsche kennen. Steffi ist Studentin von BWL und irgendwelchem Medienkram und bereits hier mit 23 Jahren Schottland komplett alleine. Schottland ist wohl eines der wenigen Länder, in welchen eine Frau auch komplett problemlos allein reisen kann. Wir unterhalten uns nett mit der Kettenraucherin Steffi, die unglaublich dünne Zigaretten im 10 Minutentakt dreht, und freuen uns, dass wir jetzt doch mal irgendwelche Leute kennenlernen.
Ich habe aber auch noch einen besten Kumpel in dem Laden kennengelernt. Ein bärtiger Schotte empfiehlt mir an der Bar das Bier und Sarahs Weißwein. Er ist schon bis oben hin voll, tanzt fröhlich zu der Musik und ist mit einer größeren Gruppe von Leuten an einem Tisch. Immer wieder prostet er uns zu und wir führen halbverständliche kleine Pläuschchen. Nach einer Stunde im Pub stellt Sarah die Frage, die schon früher gestellt werden sollte: Woher kommst du eigentlich. Er: Deutschland. I’m from Berlin

Ernsthaft?
Wir brechen in Gelächter aus, da dieses Pub wohl nur aus deutschen Touris zu bestehen scheint. Touris die miteinander gebrochenes Englisch reden.
Jedoch zugegeben: Man merkt es bei ihm wirklich nicht gleich. Er hat schon jahrelang in Schottland und London gelebt, weshalb sein Akzent sehr schwach ausgeprägt ist und man in einem lauten Pub leicht meinen könnte, er ist einheimischer. Er kleidet sich auch wie ein Fischer, was es noch hinterlistiger macht. Gut, sein regelmäßiges Redneck Yeehaw hätte misstrauisch machen müssen, aber schieben wir es mal auf die Biere.

Einige Zeit später schleppt Steffi einen Kerl mit einem Gesicht wie der Mond an. Swamy ist ein Brasilianer, der im gleichen Hostel wie Steffi schläft. Vermutlich versucht sie ihn langsam abzuhängen, also vergrößert sie die Gesprächpartner für ihn. Ich erfahre, dass er seit 2 Monaten eine kleine Europareise macht und in Brasilien selbstständiger Immobilienmakler ist. Er ist 37 Jahre alt, wohnt aber bei Mutti und hat niemanden zuhause der auf ihn warten würde. Er Reist also mit dem Bus solo um etwas von der Welt zu erleben. Die Gespräche mit Swamy sind ganz nett, aber manchmal mit der lauten Musik zusammen doch etwas anstrengend. Der arme will eigentlich eh nur an Steffi ran, die lässt ihn aber so ziemlich abblitzen. Zugegeben, sein Gesicht ist doppelt so breit wie das von Steffi, was für die wohl etwas beängstigend wirken muss. Man hat der Kerl ein breites Gesicht – irre. So breit. Wow.

Es wird langsam 12 Uhr und wir kippen unsere Getränke noch weg. Wir verabschieden uns von Swamy (Steffi ist schon vorher abgezischt – der Arme stand dann dran und hat sehnsüchtig hinterhergeschaut. Armer Tropf) und bekommen noch seine Kontaktdaten. Wer weiß, wann man mal jemanden aus Sao Paulo braucht.

Wir torkeln nach Hause – lange Autofahrten, Nickerchen im Auto, Flüchten vor dem Regen, fiese Fresserei und saufen in der Kneipe – ein romantischer erster Hochtzeitstag ist zu Ende gegangen.

Einen Beitrag konnte ich an dem Abend natürlich nicht mehr schreiben. Jetzt hängen wir einen Tag hinten dran – noooooo.

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